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05.06.15 / 10:52
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Extraktionen unter Gebrüll

Kinderzahnärztin Dr. Anna Kensche flog mit Kollegen zum Hilfseinsatz nach Bolivien. Dort wurde das Angebot zuerst kaum wahrgenommen. Die Zahnärzte malten Plakate, priesen auf offener Straße Zahnreinigungen an und machten Werbung im Radio. Dann ging es los.




Seit Beendigung meines Zahnmedizinstudiums reifte der Wunsch in mir, irgendwann einmal als Zahnärztin in einem Entwicklungsprojekt tätig zu sein. Anfang des Jahres habe ich es gewagt: Im Rahmen meines Jahresurlaubs war es mir möglich, mit dem Förderkreis Clinica Santa Maria (FCSM) von Februar bis Anfang April für insgesamt fünf Wochen nach Bolivien zu reisen.

30 Teelöffel Zucker konsumiert der Bolivianer pro Tag - Fruchtzucker nicht mit eingerechnet. In Lateinamerika ist der Zuckerkonsum damit deutlich höher als in Europa und in Nordamerika. Kommt dazu noch eine ungenügende Mundhygiene, kann dies fatale Folgen haben.

Unser Hilfseinsatz begann in der Kleinstadt Tarabuco, die rund 70 Straßenkilometer östlich entfernt der Departamento-Hauptstadt Sucre liegt. Im hiesigen Krankenhaus konnten wir unsere portablen Einheiten aufbauen. Erstmalig die gesamte Ausstattung inspizierend, habe ich wirklich gestaunt, dass sowohl Kompositfüllung, minimalinvasive Therapie, Extraktionen und selbst einfache Endos ohne weiteres möglich wären.

Sorgfaltspflicht ist fraglich

Am ersten Arbeitstag wurde unser Elan jedoch gebremst, da kaum ein Bolivianer von unserer Anwesenheit zu wissen schien. Es dauerte ein paar Tage bis unser zahnmedizinisches Angebot wirklich registriert wurde. Wir haben Plakate gemalt, auf offener Straße Zahnreinigungen angepriesen und uns im Radio beworben. Dann ging es los: Viele unserer Patienten zeigten einen umfangreichen Sanierungsbedarf.

Wir haben versucht konsequent zu behandeln, da die regelmäßige zahnmedizinische Betreuung aufgrund mangelhafter Sorgfaltspflicht - sowohl von Patienten-, als auch von Zahnarztseite - in Bolivien fraglich ist. Bei etwa 15 bis 20 Patienten am Tag haben wir viele okklusale Füllungen gelegt, viele Cp-Behandlungen gemacht, unzählige Zähne und insbesondere Wurzelreste extrahiert.

Im Vergleich zu später besuchten Orten habe ich die Compliance der Patienten während der Behandlung hier immer als sehr gut empfunden. Wie vereinbart wiedergekommen, sind sie oft jedoch nicht und so haben wir versucht in einer Sitzung möglichst viel zu schaffen, Prophylaxemaßnahmen durchzuführen, viel zu zeigen und insbesondere auch aufzuklären.


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