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23.02.17 / 15:24
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FDA warnt vor homöopathischen Zahntabletten

Die Food & Drug Administration (FDA) warnt in den USA vor homöopathischen Tabletten gegen Schmerzen beim Zahnen. In fast 400 Fällen kam es bei Säuglingen und Kleinkindern nach der Einnahme zu schweren Symptomen. Schuld daran ist eine zu hohe Konzentration an Belladonna in den Produkten.



Heftige Nebenwirkungen, ein Baby starb bereits. Die FDA rät Eltern davon ab, ihren Kindern homöopathischen Tabletten gegen Schmerzen beim Zahnen zu geben. [M] vchalup / Klaus_Eppele - Fotolia

Zahnen tut weh. In dieser Phase verabreichen deshalb etliche Eltern ihren Kindern Tabletten mit homöopathischen Substanzen - Hauptwirkstoff ist in der Regel Belladonna, das Gift der Tollkirsche. Drei Beeren sind für Kinder tödlich.

In den USA hat die FDA nun die Nebenwirkungen der dort gängigen Tabletten von 2006 bis 2016 dokumentiert. Die Liste ist lang: epileptische Anfälle, Ohnmacht, Atemnot, Schläfrigkeit, Muskelschwäche, Verstopfung, Harnstau. Fast 400 Kleinkinder und Säuglinge hatten demnach nach der Einnahme der Tabletten solche Symtome entwickelt, wie die FDA Ende Januar bekanntgab. Ein Baby starb sogar.

Die Belladonna-Konzentration ist viel höher als deklariert

Die von der FDA durchgeführte Laboranalyse hatte schließlich ergeben, dass in bestimmten homöopathischen Zahntabletten die Konzentration an Belladonna viel höher war als auf der Verpackungsangabe. Angesichts dieser Erkenntnisse forderte die FDA die Hersteller auf - unter anderem die Standard Homeopathic Company in Los Angeles -, ihre Produkte zurückzurufen. Bislang ohne Erfolg.

Homöopathische Mittel entziehen sich in den USA der staatlichen Kontrolle: Sie werden von der FDA weder geprüft noch zugelassen, weil sie als besondere Therapieeinrichtung geschützt sind und deshalb kein Nachweis über ihren Nutzen - oder Schaden - erbracht werden muss.

So hat die FDA im September erstmals vor homöopathischen Zahnprodukten gewarnt, nachdem sie Kenntnis über diese "unerwünschten Ereignisberichte" erhalten hatte. Sie rät Eltern davon ausdrücklich davon ab, ihren Kindern homöopathische Zahntabletten mit Belladonna zu verabreichen, weil die Produkte ein unnötiges Risiko darstellen.

Gesundheitsexperten und Patienten werden außerdem ermutigt, unerwünschte Ereignisse oder Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Verwendung dieser Produkte an die FDA zu melden.


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Kommentare

Leserkommentare (1)

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Just Neiss
03.03.17 / 22:33
FDA warnt vor homöopathischen Zahntabletten

Es wäre hilfreich zu wissen, welche Potenz in den beschriebenen Fällen empfohlen wurde. Derartige Symptome scheinen höchstens vorstellbar als Folge von sehr niedrigen Potenzen, wie der D2. Eine solche Potenz aber einem Baby zu geben, wäre höchst ungewöhnlich. Bei uns wird in einem solchen Zusammenhang meist die D 30 empfohlen. Und in der ist rein rechnerisch kein einziges Molekül der eigentlichen Substanz mehr enthalten... Vergiftung absolut ausgeschlossen! Auch die Homöopathie will halt geeignet angewendet werden.

Dr. Just Neiss, Heidelberg

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