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14.06.17 / 11:36
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Fünf Blockaden auf dem Weg zur digitalen Gesundheit

"Digitale Gesundheit muss stets vom Patienten aus gedacht werden“, postuliert der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW). Die fünf größten Blockaden gehen nach Ansicht des Verbandes weit über reine Datenschutzbedenken hinaus.



"Trotz aller Fortschritte: Digital-Health-Angebote sind einem Großteil der Bevölkerung in Deutschland noch immer ein Buch mit sieben Siegeln." ra2_studio_-_Fotolia

Die fünf größten Blockaden - ein Auszug aus dem BVDW-Leitfaden:

Blockade 1: Starre Regulierung

"Deutschland ist als Hochregulationsland bekannt."

"Gesetzliche und regulatorische Vorgaben schaffen Rechtssicherheit und ermöglichen fairen Wettbewerb. Und wenn es um die medizinische Qualität geht, sind klare Vorschriften angesagt." Allerdings könne eine falsche oder veraltete Regulierung auch Innovationen lähmen und technologischen Fortschritt blockieren. Im digitalen Bereich müsse man dieses Thema  daher grundsätzlich differenziert beurteilen. Beispiele für unvernünftige Regelungen seien vor dem Hintergrund der schlechten Gesundheitsversorgung vor allem im ländlichen Raum das kategorische Fernbehandlungsverbot und die allgemeine Praxispflicht.

Blockade 2: Träge Strukturen der Krankenversicherungen

"Wie in den meisten anderen Branchen stammen auch bei Krankenversicherungen die Strukturen aus dem analogen Zeitalter."

Obwohl es inzwischen beispielsweise Medical-Apps gibt, die nachweislich medizinischen Mehrwert erbringen oder aber die Versorgungsqualität verbessern und dabei hohen Datenschutzstandards gerecht werden, täten sich die Krankenversicherer schwer, digitale Lösungen zu integrieren. Gute und auch erfolgreiche Ansätze wie die Tinnitus-App Tinnitracks, die einige Krankenversicherungen auf Rezept erstatten, gebe es zwar, aber zu selten. Da der flächendeckende Einsatz solcher Lösungen an den das Bewährte bewahrenden Strukturen der Krankenkassen scheitern, bestehe hier dringender Handlungsbedarf.

Blockade 3: Silodenken

"Ein strukturelles Innovationshemmnis im deutschen Gesundheitswesen – gerade bei strukturellen und disruptiven Veränderungen wie der digitalen Transformation – wurzelt in den Beharrungskräften der gemeinsamen Selbstverwaltungsgremien von Krankenkassen und Ärzten, die weitestgehend auf den Erhalt des Status quo und dem Schutz von Partikularinteressen ausgerichtet sind."

Dieses Silodenken sei eine schwere Blockade für die Zusammenarbeit, vernachlässige die Bedürfnisse von Versicherten und Patienten und reagiere nur schleppend auf Innovationen. Hier bedürfe es neben konkreten Handlungsempfehlungen und Aufklärungsmaßnahmen vor allem eines kulturellen Wandels, um die Silos im Sinne einer besseren Gesundheitsversorgung aufzubrechen.

Blockade 4: Datenschutz und Datensicherheit

"Es braucht einen aufgeklärten gesellschaftlichen Diskurs über Datenschutz und Privatsphäre im digitalen Zeitalter."

Im Gesundheitswesen werden besonders sensible und mitunter intime personenbezogene Daten verarbeitet. Datenschutz und Datensicherheit seien daher von eminenter Bedeutung, um die Privatsphäre von Nutzern und Patienten zu schützen und das Vertrauen in die Digitalisierung der Gesundheitsbranche zu stärken. Allerdings sei das Dickicht aus datenschutzrechtlichen Regelwerken im Gesundheitsbereich besonders komplex und für viele, vor allem junge Anbieter, kaum zu überblicken, geschweige denn durchschaubar. Der Gesetzgeber müsse sich der Herausforderung stellen, die Regelungen zu vereinfachen und eindeutige Rechtsklarheit zu schaffen.

Blockade 5: Mangel an Bekanntheit und Vertrauen

"Trotz aller Fortschritte: Digital-Health-Angebote sind einem Großteil der Bevölkerung in Deutschland noch immer ein Buch mit sieben Siegeln."

Hinzu komme Unwissen, was mit den persönlichen Daten passiert. "Alle Akteure der Branche stehen in der Verantwortung, über Angebote und Potenziale konsequent zu informieren und aufzuklären.": Im Sinne der Transparenz müsse klar kommuniziert werden, wie und wofür die Daten verwendet werden. Die Etablierung von anerkannten Gütesiegeln oder Zertifikaten würde zusätzlich Vertrauen schaffen. Um die Bekanntheit der Angebote zu erhöhen, seien Ärzte und Krankenkassen gefragt, diese in ihr Beratungsportfolio zu integrieren.


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