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22.01.13 / 14:06
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"Ich würde mich ohne Einschränkung in unserer Klinik behandeln lassen"

Mit "Dr. Frankenstein" fing das Debakel für die SLK-Kliniken in Heilbronn in diesem Jahr an. Weitere Ärzte gerieten ins Zwielicht. Ein Interview mit Klinikmanager Thomas Jendges, der für die Affären geradestehen will.



Thomas Jendges, Geschäftsführer der SLK-Kliniken Picture_Alliance

Die SLK-Kliniken stehen in der Kritik, weil gleich drei ehemalige Ärzte andernorts gepfuscht, fahrlässig und mit tödlichen Folgen gehandelt oder in Heilbronn ohne Approbation gearbeitet haben sollen. Gegen Geschäftsführer Jendges läuft wegen seiner früheren Tätigkeit an den DRK-Kliniken in Berlin eine Anklage wegen Betrugsverdachts.

Haben Sie in den vergangenen Wochen mal überlegt, Ihr Amt aufzugeben? 
Jendges:
"Als Geschäftsführer der SLK-Kliniken stehe ich hier in der Verantwortung und werde diese weiterhin aktiv wahrnehmen. In den zurückliegenden Tagen hat selbstverständlich die intensive Aufklärungsarbeit im Mittelpunkt gestanden." 

Mit welchen Folgen rechnen Sie nach den Affären? Bleiben Patienten weg? 
Jendges:
"Wir tun alles, um dem Vertrauen unserer Patienten und Partner gerecht zu werden. Die rund 4.000 Mitarbeiter der SLK-Kliniken leisten täglich hervorragende Arbeit. Dies wurde auch in der Öffentlichkeit so wahrgenommen, wie die stetig zunehmenden Patientenzahlen unserer Krankenhäuser in den vergangenen Jahren gezeigt haben.

Dass Patienten nun wegbleiben, haben wir nicht feststellen können. Im Gegenteil haben wir im Klinikum am Gesundbrunnen im bisherigen Januar eine leicht höhere Auslastung als im Durchschnitt des Vorjahres. Gemeinsam mit allen SLK-Mitarbeitern wünsche ich mir, dass dies so bleibt." 

Aus Sicht eines Patienten: Würden Sie sich im Moment in Ihrer Klinik behandeln lassen wollen?
Jendges:
"Ohne jede Einschränkung: ja! Ich habe mich selbst schon in unseren Kliniken behandeln lassen. Die SLK-Kliniken besitzen eine außerordentliche Fachkompetenz. Unsere Patienten werden hier gut betreut." 

Wegen des Betrugsverdachts in Berlin müssen Sie sich persönlich verantworten. Was nehmen Sie in den drei Skandalarztfällen auf Ihre Kappe? 
Jendges:
"Zwischen den von Ihnen angesprochenen Punkten besteht aus meiner Sicht kein Zusammenhang. Zudem habe ich nach meiner festen Überzeugung sowohl in Berlin als auch in den SLK-Kliniken stets rechtmäßig gehandelt." 

Inzwischen räumen Sie selbst ein, dass es Abrechnungsfehler auch in Heilbronn gab. Lernen Sie nicht aus Ihren Fehlern? 
Jendges:
"Den in Ihrer Frage formulierten Zusammenhang sehe ich nicht. Sofern sich bei unseren Prüfungen in Heilbronn herausstellt, dass Abrechnungsfehler gemacht wurden, werden diese selbstverständlich korrigiert werden." 

Hätten Sie vergangenes Jahr noch gedacht, dass ein Fall wie der niederländische Skandalarzt solche Wellen schlagen kann oder überrascht Sie das? 
Jendges:
"Es liegt auch in unserer Verantwortung, keine Vorverurteilungen von Ärzten vorzunehmen. Unser zentrales Anliegen ist es aufzuklären, ob es Vorgänge gibt, die das Wohl unserer Patienten beeinträchtigt haben könnten." 

Sie haben am 5. Januar gesagt, von den Vorwürfen gegen den niederländischen Arzt bis dato nichts gewusst zu haben. Mittlerweile räumt die Klinik ein, bereits 2011 davon gehört zu haben. Haben Sie gelogen und warum? 
Jendges:
"In den Medieninformationen kann man nachverfolgen, dass wir in jeder Situation die Öffentlichkeit wahrheitsgemäß unterrichtet haben. Die Geschäftsführung selbst hat wie von uns berichtet von den Vorwürfen gegen den niederländischen Arzt erst Anfang dieses Jahres Kenntnis erhalten." 

Ihre Klinik führt eine sehr defensive Kommunikationspolitik. Auf Nachfrage bekommen Journalisten so gut wie nie eine Antwort. Halten Sie das für sinnvoll? 
Jendges:
"Die SLK-Kliniken engagieren sich aktiv für die Herstellung von Transparenz. Zusätzlich zu den von uns herausgegebenen Medieninformationen werden regelmäßig Presseanfragen beantwortet. In der Aufklärung der Vorgänge fühlen wir uns neben der gebotenen Eile auch der erforderlichen Sorgfalt verpflichtet."

Das Interview führte Marco Krefting (dpa).


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