sf
25.11.15 / 16:31
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Keine Hartkapseln für gläubige Muslime

Der Islam verbietet - wie das Judentum - Schweinefleisch zu essen. Das hat Konsequenzen für die Verschreibung von Medikamenten, die in Hartkapseln vertrieben werden.



Hartkapseln enthalten immer Gelatine - und damit Schweinekollagen. zm-mg, jr casas - Fotolia

Bei der Verordnung von Medikamenten sind religiöse Vorgaben zu respektieren. Produkte, die Bestandteile von Schweinen enthalten, sollten Mediziner deshalb bei streng gläubigen muslimischen Patienten nicht verschreiben, erklärt Dr. André Müllerschön, Oberfeldarzt und Leiter der Zahnarztgruppe an der Universität der Bundeswehr in Neubiberg.

Clindamycin, Amoxicillin, Gelastyp und Solcoseryl fallen aus

Darunter fallen auch Hartkapselpräparate wie Clindamycin oder Amoxicillin, die zur Stabilisierung aus Schweinekollagen hergestellte Gelatine enthalten. Wenn möglich, sollte der Arzt als Alternative Filmtabletten verordnen. Weitere zu vermeidende Präparate sind laut Müllerschön Gelastyp und Solcoseryl, wobei letzteres zwar überwiegend aus Kalbsblutbestandteilen hergestellt wird, aber ebenfalls einen Gelatineanteil aufweist.

Aufklären ist Pflicht!

Ist die Gabe eines der aufgeführten Mittel zwingend notwendig, hat der Behandler den Patient entsprechend aufzuklären, um ihm im Sinne der Patientenautonomie die Möglichkeit zu geben, die Einnahme von vornherein abzulehnen oder Vor- und Nachteile abzuwägen. Auf keinen Fall darf eine Medikamentenverordnung ohne ausreichende Informationen zu Inhaltsstoffen erfolgen, macht der Oberfeldarzt deutlich.


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Kommentare

Leserkommentare (5)

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Jürgen Asmußen
02.12.15 / 23:42
Götter

Ist es schon so weit, dass wir in der Anamnese auch die Religionszugehörigkeit mit ihren ganzen Befindlichkeiten erheben müssen? Sonst passiert was? Klären Sie über jeden einzelnen Inhaltsstoff auf? Mit wem diskutieren Sie ob diese koscher oder halal sind? Wer garantiert Ihnen, ob das eine oder andere Kohlenstoffatom nicht doch schon einmal in einem Schwein verbaut war?


David Mrad
30.11.15 / 16:00
Alles überbewertet...

… und langsam nur noch lächerlich !!!!
Wem bei uns die Behandlung nicht zusagt, kann auch gerne nach Mali oder in den Tschad ziehen, und sich dort behandeln lassen. Dort gibt es nämlich gar keine Tabletten und medizinische Versorgung.


Hanna Lisewski
29.11.15 / 13:59
Dr. med. dent.

Selbstverständlich ist beim Verordnen eines Medikaments die Aufklärung Pflicht. Ist sie schon immer gewesen. Über den Aspekt der Vereinbarkeit der Medikamenteneinnahme mit der Religion des Patienten werde ich mich bestimmt nicht mit ihm unterhalten. Abgesehen davon, dass ich es nicht für angebracht halte, die Besucher meiner Praxis nach ihrer Religion zu fragen, bin ich als ungläubige Frau sicher nicht die Richtige, um einem männlichen Patienten zu empfehlen, was er als Moslem aus religiösen Gründen zu beachten hat. Wir sind, wie so oft bei uns in Deutschland, sehr geehrter Herr Oberfeldarzt, päpstlicher als der Papst. "Die Kirche im Dorf lassen" ist mir die liebste Redewendung in der deutschen Sprache. Das sollten wir öfter tun.


Paul Peter Baum
26.11.15 / 16:15
Hartkapseln für Muslime erlaubt

Hartkapseln um Medikamente enthalten zwar Gelatine, aber der Koran verbietet in der Sure 5 (al-Maida, zu Deutsch der Tisch) in Vers 3 lediglich Blut und Schweine!fleisch. Daher können zum Beispiel Clindamycin und Amoxicillin verordnet werden. Ebenfalls erlaubt sind Gelastyp und Solcoseryl.
Eine spezielle Aufklärung ist nicht notwendig.
Sollte ein Patient aus Glaubensgründen fragen, steht ihm selbstverständlich eine wahrheitsgemäße Aufklärung zu. Wenn er auf einem anderen Präparat ohne Gelatine besteht, muss dieser Wunsch wegen möglicher medizinischer Folgen sorgfältig dokumentiert werden.


Helmut Dittmer
26.11.15 / 10:13
Man kann es mit der Aufklärung auch übertreiben!

Wir sind Ärzte bzw. Zahnärzte und keine Rabbiner oder Imame. Muss ich jetzt auf dem Anamnesebogen auch noch nach der religiösen Ausrichtung meiner Patienten fragen?

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