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25.01.13 / 08:52
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Knigge: "Die Sprache ist ein Hort von Missverständnissen"

In Braunlage findet der Winterfortbildungskongress der Zahnärztekammer Niedersachsen statt. Die Festrede hielt 2013 Moritz Freiherr Knigge, Nachfahr des berühmten Freiherr Adolph Knigge.



Moritz Freiherr von Knigge ist Kommunikationstrainer für Führungskräfte. zm

"Der tägliche Umgang untereinander ist massivst erfolgsrelevant für ein Unternehmen" lautete Knigges  These. Die Reibungsverluste, die durch Konflikte entstehen, ließen sich sehr schwer monetär zusammenfassen. Unter dem Strich seien sie laut Knigge aber immens.

Der Wunsch nach mehr Höflichkeit

Knigge verwies auf Studien, wonach jeder vierte Angestellte in Deutschland so schlecht motiviert sei, dass er bewusst destruktiv handelt. Laut Knigge koste der schlechte Umgang zwischen Kollegen deutsche Unternehmen jährlich 200 Milliarden Euro. Gleichzeitig wünschten sich 90 Prozent aller Deutschen mehr Höflichkeit, berichtet der Kommunikationstrainer.

Höflichkeit beinhalte das Selbstverständnis, dass man als Individuum im sozialen Raum agiere. Zudem handele ein höflicher Mensch verantwortungsvoll. Er halte sich an konsentierte Regeln und stehe dafür gerade. Ein höflicher Mensch versuche auch,  souverän zu agieren und sich und anderen Menschen Unsicherheiten im gemeinsamen Umgang zuzugestehen. Knigge: "Gehen Sie über Fehlverhalten im kleinen Stil hinweg und seien Sie großzügig. Auch Ihnen wird von ihrem Umfeld immer wieder verziehen." 

Das Problem mit dem Gegenüber

Ganz wichtig in der Kommunikation sei die Empathie. Knigge: "Menschen scheinen immer davon auszugehen, sie selbst machen alles richtig. Das Problem ist mein Gegenüber. Und der muss sich erst  mal ändern." Die Schwierigkeit sei, dass Sprache immer auch einen Hort von Missverständnissen impliziere. Was der Absender sagt und was der Empfänger der Nachricht versteht, könne diametral auseinandergehen.   

Sach- und Personenebene würden sich grundsätzlich überlagern und ließen sich nicht trennen. Knigge: "Alles beeinflusst die Art und Weise, wie ich bereit bin, Dinge anzunehmen und wie ich Dinge wieder herausgebe." Es sei wichtig, hier ein Gefühl für die eigene Verfassung zu entwickeln, um sich selbst besser reflektieren zu können.

Menschen anzusprechen, die sich unhöflich verhalten, sei für Knigge eine Form der Zivilcourage. "Ruhig bleiben, freundlich bleiben, lächeln und Ich-Botschaften senden" - darauf komme es an. "Ich finde Sie unfreundlich" sei die richtige Antwort auf einen verbalen Angriff.

Die Kommunikation in Hierarchien

Die Kommunikation in Hierarchien sei ganz besonders schwierig. Knigge: "Es gibt kaum Mitarbeiter, die ihren Chef auf ein Fehlverhalten hinweisen, obwohl es oft gut wäre." Das ideale Unternehmen sei ein Ort, an dem sich die Kollegen austauschen und Fehlverhalten offen ansprechen. Das könne trainiert werden. Dazu müsste sich ein Team jedoch hinterfragen, wo es stehe und wo es zukünftig zwischenmenschlich stehen möchte. Führungskräfte sollten eine entsprechende Kultur  vorleben.



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