Consuela Codrin
11.03.15 / 17:21
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Mehr Keramik im Komposit

Versprochen wird ein rein keramisches Füllungsmaterial. Tatsächlich fehlen BisGMA und Co., doch ganz ohne Kunstharz geht es noch immer nicht. Dafür erinnert die Handhabung ein bisschen an Amalgam.



Unsere zahnärztliche Korrespondentin hat das neue „keramische“ Komposit selbst am Stand getestet. Consuela Codrin

Füller und Matrix eines neuen Füllungsmaterials basieren laut Hersteller Voco auf Siliziumoxid (Admira Fusion). So pur anorganisch zeigt sich die Fusion von Füllstoffen und Matrix jedoch nicht. Denn diese enthält anorganisch-organische Kopolymere mit Verbindungen auf molekularer Ebene. Der organische Anteil ist aber gering und das Material kommt ohne die allergologisch kritischen Verbindungen BisGMA, TEGDMA und HEMA aus.

Erinnerungen an Amalgam.

Der im Vergleich zum Produktvorgänger erhöhte Keramikanteil soll sich positiv auf Farb- und Formstabilität sowie auf die Polymerisationsschrumpfung auswirken. Im Test am Messestand haftete das Material angenehm am Bearbeitungsinstrument. Zugleich ist es zäh und stopfresistent, letzeres erinnert an Amalgam. Für Bulk-fill-Liebhaber gibt es eine weitere Produktvariante. Damit lassen sich maximale 4-mm-Schichten in 20 Sekunden gut aushärten.


Kommentare

Leserkommentare (3)

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Jan Hermann Koch
25.03.15 / 07:58
Fortschritt trotz offener Fragen

Der reduzierte Monomeranteil und das Fehlen einiger kritischer Substanzen im Füllungsmaterial sind aus unserer Sicht ganz klar positiv zu bewerten. Allerdings fehlen Informationen zu alternativ verwendeten organischen Anteilen. In den Sicherheitsdatenblättern und der Gebrauchsanleitung zu Admira Fusion werden unter anderem „Methakrylate“ (offenbar nicht BisGMA) und „organisch modifizierte Kieselsäure“ (potenziell hautreizend) angegeben. Ob die beiden Substanzen nach Polymerisation des Komposits Unverträglichkeiten hervorrufen können, geht aus den Dokumenten nicht hervor.
Inwieweit in handelsüblichen Adhäsivsystemen enthaltene Substanzen (vor der Polymerisation?) in die Pulpa gelangen und dort zu Sensibilisierung oder anderen systemischen Wirkung führen können, ist unseres Wissens ebenfalls kaum bekannt. Sicher ist es wünschenswert, auf diesem Gebiet weiter zu forschen.
Consuela Codrin, Regensburg, und Dr. Jan H. Koch, Freising (Zahnärzte und Fachjournalisten)


Klaus Peter Hoffmann
23.03.15 / 13:55
Mehr Keramik im Komposit - tatsächlich

Die Kombination von Admira Fusion mit herkömmlichen Adhäsiven führt nicht zu einer Abwertung der Biokompatibilität. Es wird ein nur hauchdünner Bonding-Film aufgetragen und polymerisiert. Bei der Überschichtung des Adhäsivs mit dem neuen Ormocer werden keine klassischen Monomere verwendet und daher auch nicht freigesetzt, ebenso keine anderen Matrixbestandteile.
In einer Kavität durchschnittlicher Größe verbleiben ~ 1-2 mg Adhäsiv. Das applizierte Füllungsmaterial hat ein Volumen von 100-200 mg. Im Falle der Anwendung von Admira Fusion wurde somit die potentielle Restmonomer-Quelle Füllungsmaterial um beeindruckende 99% reduziert!
Bei richtiger Anwendung der Photopolymerisation lässt sich selbstverständlich ein Adhäsiv auch in einer tiefen Kavität und an den Kavitätenwänden zuverlässig polymerisieren. Das „ungehinderte Eindringen“ von „unterpolymerisierten“ Monomeren ins Dentin findet nicht statt.

Klaus Peter Hoffman, Zahnarzt
VOCO GmbH Cuxhaven


Just Neiss
18.03.15 / 11:27
Mehr Keramik im Komposit

Klingt erst einmal wunderbar.
Das Bemühen, aus Verträglichkeitsgründen ohne diese 3 (Co)Monomere auszukommen,
ist in der Tat sehr zu begrüßen! Aber was ist mit dem dazu empfohlenen Bonding, das dennoch reichlich zwei dieser (Co)Monomere enthält? Schließlich wird jedes Bonding direkt auf das "nackte" und poröse Dentin gepinselt, in das es dann auch noch eindringt. Kein LED-Polymerisationsgerät auf dem Markt ist - im Sinne der Verträglichkeit - in der Lage, es in 10 sec. oder 20 sec. richtig auszuhärten. Dafür ist der Abstand zwischen LED und Kavitätenboden viel zu groß (wird bei Belichtungsempfehlungen nie berücksichtigt!) und der Belichtungwinkel an den Kavitätenwänden viel zu ungünstig (0°). Also können BisGMA und HEMA weiterhin ungehindert ins Dentin eindringen und bleiben dort unterpolymerisiert. Und das ist nun mal für die Verträglichkeit einer Komposit-Füllung und mögliche systemische Wirkungen richtig relevant!