dg/pm
14.10.16 / 10:39
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Mit Genom-Analyse gegen Speiseröhrenkrebs

Ösophaguskarzinome gelten als schwer behandelbar, die Überlebenschancen für Betroffene sind gering. Forscher haben möglicherweise neue Ansatzpunkte für die Therapie gefunden.



In der Fachzeitschrift „Nature Genetics“ veröffentlichte Studienergebnisse könnten dazu beitragen, wirksame Behandlungsstrategien zu entwickeln: Das Forscherteam um Rebecca Fitzgerald von der Universität Cambridge untersuchte das gesamte Erbgut von 129 Adenokarzinomen.

Im Genom jedes Tumors fanden die Wissenschaftler eine Vielzahl genetischer Veränderungen. Diese erklären nicht nur, warum die Tumore sich so rasch ausbreiten. Die Studie zeigt auch, warum Medikamente wie „Tyrosinkinase-Hemmer“ den Tumor nicht bremsen können: „Tyrosinkinase-Hemmer schalten gezielt bestimmte Treibergene aus“, sagt Professor Dr. med. Rainer Porschen, Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS).

Verbesserung der Chemotherapie durch effektive Medikamente

„Adenokarzinome verfügen aber meist über mehrere Treibergene. Um erfolgreich zu sein, müssten wir mehrere Tyrosinkinase-Hemmer einsetzen und zudem bei jedem Patienten unterschiedliche. Eine Gen-Analyse könnte zeigen, welche Medikamente zu kombinieren wären", erläutert Porschen.

Die Forscher fanden zudem drei genetische Typen des Ösophagus-Adenokarzinoms, die sich in ihren Reparaturmechanismen unterscheiden. Diese Merkmale könnten weitere Ansätze für Medikamente bieten. Es werde jedoch einige Zeit dauern, bis die Ergebnisse für Patienten bedeutsam werden. Das liege auch daran, dass Genom-Analysen teuer sind. Ob die gezielte Therapie eines Adenokarzinoms aufgrund einer Erbgut-Analyse funktioniert, wird erst feststehen, wenn weitere Studien abgeschlossen seien.

Hintergrund: Adenokarzinome befallen die untere Speiseröhre, kurz vor dem Übergang zum Magen. Sie sind oft eine Folge der Refluxkrankheit, bei der Magensäure in die Speiseröhre gelangt. Die Betroffenen spüren dies als Sodbrennen. Die ätzende Säure schädigt die Schleimhaut der Speiseröhre und verändert die Zellstruktur bis Krebs entsteht. Adenokarzinome wachsen sehr rasch. Viele Patienten sterben innerhalb eines Jahres.

Quelle: Secrier M und das Oesophageal Cancer Clinical and Molecular Stratification (OCCAMS) Consortium. Mutational signatures in esophageal adenocarcinoma define etiologically distinct subgroups with therapeutic relevance. Nature Genetics 2016; doi: 10.1038/ng.3659


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