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06.10.16 / 11:06
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Paracetamol - gefährlich in der Schwangerschaft?

Paracetamol stört die Hirnentwicklung beim Kind. Zu diesem Ergebnis kommen dänische Forscher. Wo die Studie hinkt und worauf Zahnärzte bei schwangeren Patientinnen achten sollten, erklärt Prof. Christoph Schindler, Leiter des Klinischen Forschungszentrums CRC an der Medizinischen Hochschule Hannover.



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zm-online: In einer dänischen Studie mit 7.796 Schwangeren wurde untersucht, ob Verhaltensprobleme bei Kindern im Alter von sieben Jahren mit der mütterlichen Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft in Zusammenhang stehen. Prof. Christoph Schindler, wie beurteilen Sie die Studienergebnisse?

Prof. Christoph Schindler: Sie sprechen die Studienergebnisse einer prospektiven Kohortenstudie von Stergiakouli et al., publiziert in JAMA Pediatrics im August 2016 an, über die auch im Deutschen Ärzteblatt in der Ausgabe vom 16. August 2016 berichtet wurde.

Die Schwangeren wurden in der 18. und 32. Schwangerschaftswoche, sowie 61 Monate nach Geburt befragt, ob sie Paracetamol eingenommen hatten. Auch die Partner wurden nach Paracetamolanwendung befragt. Das Verhalten der Kinder wurde über standardisierte Fragebögen erfasst und analysiert. Stergiakouli et al kommen in dieser Studie zu dem Ergebnis, dass die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft insgesamt mit einem signifikant höheren Risiko für Verhaltensstörungen (risk ratio: 1,42) und Hyperaktivität (risk ratio: 1,31) bei den Kindern assoziiert war.

Die Einnahme von Paracetamol in der 32. Schwangerschaftswoche war darüber hinaus auch mit emotionalen Problemen (risk ratio: 1,29) bei den Kindern assoziiert. Zunächst erst einmal möchte ich an dieser Stelle betonen, dass diese Studienergebnisse kritisch zu interpretieren sind: Eine Hauptlimitation dieser Studie besteht darin, dass keinerlei Informationen zur eingenommenen Paracetamol-Dosis und zur Einnahmedauer erhoben wurden. Das Verständnis einer Dosis-Wirkungsbeziehung ist aber eine Grundvoraussetzung für eine verlässliche Kausalitätsbewertung.

"Keine Information zur eingenommenen Paracetamol-Dosis möglich"

Ein pharmakologischer Wirkmechanismus für die postulierte schädigende Paracetamol-Wirkung ist bisher gar nicht bekannt. Die in der Studie als „signifikant“ angegebenen Risk ratios für emotionale Symptome, Betragen und Hyperaktivität verringern sich und verlieren teilweise völlig ihre Signifikanz, wenn auf potentiell einflussnehmende Covariablen wie das Alter der Mutter, den sozioökonomischen Status, Rauchen, Alkohol, BMI, psychiatrische Anamnese und Behandlungsindikation adjustiert wird (diese Informationen finden sich nicht in der Originalpublikation, sondern nur online im E-Supplement). Ein kausaler Zusammenhang zwischen der Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft und kognitiven Störungen beim Kind lässt sich daher aus diesen Ergebnissen nicht ableiten.


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