sf/pm
02.06.17 / 12:47
Nachricht

Pferde kauen wie Kühe!

Im Unterschied zu Wiederkäuern zerkleinern Pferde ihr Futter nur einmal - dafür mit ebenso regelmäßigen, rhythmischen Kaubewegungen wie Kühe, die ihre Nahrung nach dem Fressen wiederkauen.




Pflanzenfresser verdauen ihre Nahrung besser, wenn sie durch intensives Kauen stark zerkleinert wird. Bei Wiederkäuern wie Kühen, Schafen, Ziegen, Hirschen, Lamas oder Kamelen sind Fressen und Wiederkauen zwei verschiedene Vorgänge: Nach dem Äsen würgen sie größere Teile ihrer Nahrung wieder hoch und kauen sie noch einmal mit besonders gleichförmigen, rhythmischen Bewegungen durch. So erreichen sie den höchsten Zerkleinerungsgrad ihrer Nahrung.

Forscher der Universität und ETH Zürich gingen nun der Frage nach, ob die Kaubewegungen der Wiederkäuer untereinander sowie mit denen anderer Pflanzenfresser vergleichbar sind. In ihrer Studie mit Pferden, Kühen und Kamelen benutzten sie spezielle Kauhalfter, die die Bewegungen des Maules registrieren und automatisch zwischen Fress- und Wiederkauen unterscheiden können.

Bei den Kühen und Kamelen unterscheiden sich demnach die Kaurhythmen erwartungsgemäß deutlich: Die Bewegungen beim Fressen sind viel unregelmäßiger als die beim Wiederkauen, wobei sich die Kamele generell mehr Zeit beim Wiederkauen lassen.

Anders beim Pferd: "Zu unserer Überraschung ergab die Auswertungssoftware, dass das Pferd nicht frisst, sondern sozusagen wiederkaut", erzählt Marie Dittmann, Doktorandin der Universität Zürich und der ETH Zürich. "Obwohl Pferde keine Wiederkäuer sind, zerkleinern sie ihre Nahrung mit ebenso rhythmischen Kauschlägen wie die Kühe beim Wiederkauen."

Für Marcus Clauss, Professor an der Klinik für Zoo-, Heim- und Wildtiere der Universität Zürich, ist die Ähnlichkeit im Kaurhythmus von so unterschiedlichen Tiergruppen verständlich: "Pferde haben keine zweite Chance, schwer Verdauliches noch einmal zu zerkleinern. Daher müssen sie gleich beim Fressen sehr gründlich kauen. Das geht offenbar am besten mit rhythmischen und gleichmäßigen Bewegungen."

Unregelmäßiges Fressen schont die Zähne

Dies wirft eine weitere Frage auf: Warum kauen Kühe beim Fressen anders? Die These der Forscher: Pflanzenfresser nehmen beim Äsen in der Natur auch Staub, Dreck oder Erde auf, was beim Kauen die Zähne zusätzlich abreibt. Pferde müssen dies in Kauf nehmen. Wiederkäuer dagegen können nach dem ersten Fressen das gründliche Kauen auf später verschieben, wenn die Nahrung im Pansen von solchen Verunreinigungen freigewaschen ist. So produzieren sie beim Fressen durch weniger intensives Kauen einen geringeren Zahnabrieb. "Das unregelmäßige Fresskauen von Kühen könnte sich somit entwickelt haben, um die Nahrungsaufnahme möglichst zahnschonend zu gestalten", mutmaßt Clauss. Weitere Studien müssten diese Vermutung jedoch erhärten.

Dittmann Marie T., Kreuzer Michael, Runge Ullrich, Clauss Marcus: Ingestive mastication in horses resembles rumination but not ingestive mastication in cattle and camels. 17 May 2017, Journal of Experimental Zoology A. DOI: 10.1002/jez.2075


Mehr zum Thema


Kommentare

Leserkommentare (0)

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können
Werblicher Inhalt