jt/dpa
16.12.13 / 14:10
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Prämien belasten Hebammen

Die drohende Schließung der Geburtshilfestation auf Sylt hat die prekäre Situation vieler Geburtshelfer wieder auf die Agenda der Landespolitik gebracht. Der Berufsverband warnt vor zu hohen Haftpflichtprämien.



Die Haftpflichtprämien werden zum 1. Juli 2014 erneut um mehr als 20 Prozent erhöht. Besonders die freiberuflichen Hebammen leiden unter den hohen Beiträgen. © Tyler Olson - Fotolia.com

"Geburtsort: Sylt." Ob es so einen Eintrag im Pass in Zukunft weiterhin geben wird, ist ungewiss. Der Geburtshilfestation im Nordseeklinikum in Westerland droht die Schließung. Betreiber Asklepios hatte angekündigt, aus rechtlichen Gründen die Berufshaftpflicht für Belegärzte nicht mehr übernehmen zu können. Gesundheitsministerium, Klinikbetreiber und andere Beteiligte suchen fieberhaft nach einer Lösung, die Geburtshilfe auf der Insel auch über den 31. Dezember 2013 hinaus zu ermöglichen. 

Die Situation auf der Insel lässt auch die Parlamentarier im Norden aufschrecken: Am Donnerstag wurde im Landtag ein Antrag der Regierungsfraktionen SPD, Grünen und SSW diskutiert, der sich mit der Absicherung der Geburtshilfe im Land befasst. Die Bundesregierung soll unter anderem durch eine Bundesratsinitiative aufgefordert werden, zu prüfen, wie die Beiträge zur Berufshaftpflicht für Gynäkologen und Hebammen gesenkt oder stabilisiert werden können. 

Täglich 18 Stunden arbeiten

Die Vorsitzende des Hebammenverbandes Schleswig-Holstein, Margret Salzmann, hofft, dass sich die Situation endlich verbessert und solche Initiativen Wirkung zeigen. Denn zurzeit seien nur rund 100 freiberufliche Hebammen in Schleswig-Holstein geburtshilflich tätig, sagte Salzmann, der dpa. Um die hohen Berufshaftpflichtprämien bezahlen zu können, müssten diese Hebammen mehr Frauen betreuen und mehr arbeiten - teilweise 16 bis 18 Stunden täglich.

Nur noch dem Namen nach ein Geburtshaus

"Das ist nicht mehr tragbar und es ist eine unschöne Situation. Aber anders ist es halt nicht möglich, überleben zu können", sagte Salzmann. Viele freiberufliche Hebammen betreuten die Frauen mittlerweile nur noch vor und nach der Geburt, weil sie die hohen Beiträge zur Haftpflicht nicht mehr bezahlen könnten. So ist das Geburtshaus in Flensburg beispielsweise nur noch dem Namen nach ein Ort, an dem Kinder zur Welt kommen. Angeboten werden seit einiger Zeit nur Leistungen vor und nach der Geburt.

Die Geburtshilfe der Flensburger Förde-Klinik hat zum 30. April 2012 ebenfalls geschlossen - wegen der stark gestiegenen Haftpflichtbeiträge. Und in Eckernförde wurde die Geburtshilfestation des Krankenhauses im vergangenen Jahr erst nach starkem öffentlichen Druck doch nicht geschlossen. Der Hebammenverband warnte schon im Sommer 2010 vor einem Hebammenmangel gerade in ländlichen Gebieten und den Inseln.

Haftpflichtprämien sollen weiter steigen

Zwar hat sich seit damals einiges verbessert - so wurde der Leistungsanspruch auf Hebammenhilfe ins Sozialgesetzbuch aufgenommen. "Aber viel mehr ist auch nicht passiert", sagt Salzmann. In der Vergangenheit hatte es mehrtägige Hebammenstreiks, Demonstrationen, Petitionen, Unterschriftenaktionen der Kirche gegeben. 

Und die Situation wird sich im kommenden Jahr noch verschärfen. Denn die Haftpflichtprämien werden zum 1. Juli 2014 erneut um mehr als 20 Prozent erhöht, wie der Deutsche Hebammenverband kürzlich mitteilte. Die freiberuflichen Hebammen müssten dann mehr als 5.000 Euro Prämie zahlen, und für 2015 wurden bereits weitere Erhöhungen angekündigt.


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