sg/pm
03.07.13 / 08:49
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Schließen wird teuer

Wissenschaftler kritisieren die Forderung der Krankenkassen, frei werdende Arztpraxen zu schließen. Eine Stärkung der ambulanten Versorgung mache den demografischen Wandel erst bezahlbar.



Der GKV-Spitzenverband will die Kassenärztliche Vereinigungen dazu verpflichten, frei werdende Praxissitze durch Aufkauf zu vernichten. Das Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland hält Zwangsaufkäufe für destruktiv. contrastwerkstatt - Fotolia.com

"Deshalb setzen die Krankenkassen mit der Forderung nach der Schließung frei werdender Praxissitze das falsche Signal“, betont der Geschäftsführer des des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (ZI), Dr. Dominik von Stillfried mit Verweis auf eine entsprechende Analyse des Instituts.

Der GKV-Spitzenverband hatte vorgeschlagen, dass die Kassenärztliche Vereinigungen verpflichtet werden sollten, frei werdende Praxissitze durch Aufkauf zu vernichten. Der Verband ist der Auffassung, dass es in den Ballungsräumen zu viele niedergelassene Ärzte gibt. 

Die Wissenschaftler haben nun die Regionen in Deutschland identifiziert, in denen jeweils die höchsten Anteile ärztlicher Versorgung und die niedrigsten von Krankenhausbehandlungen vorliegen. Ergebnis: In diesen "Best-Practice“ Regionen werden die Menschen deutlich günstiger behandelt.

Milliarden sparen mit Best-Practice-Modellen

Würden die Versorgungsstrukturen und die Arbeitsteilung zwischen der ambulanten und stationären Versorgung überall in Deutschland nach dem Vorbild dieser "Best-Practice“-Regionen entwickelt, könnten trotz der demografischen Alterung bis zum Jahr 2020 rund zwei Milliarden Euro eingespart werden, bis 2030 beträgt die Einsparung sogar vier Milliarden Euro.

"Die Krankenkassen übersehen, dass immer mehr Behandlungsmaßnahmen aus dem Krankenhaus in die ambulante Versorgung durch die niedergelassenen Ärzte verlagert werden. Das ist gut für die Patienten, es erfordert aber auch mehr ambulante Behandlungskapazitäten. Die Ballungsräume übernehmen dabei eine wichtige überregionale Versorgungsfunktion für das Umland“, so von Stillfried.

Für eine Förderung der ambulanten Versorgung zur Entlastung der stationären Versorgung hat sich auch der Sachverständigenrat im Gesundheitswesen ausgesprochen. Ein höherer Anteil ambulanter Versorgung gilt als Qualitätsmerkmal und könnte die Beitragszahler entlasten.

Neue Arbeitsteilung zwischen Praxen und Krankenhäusern

"Die ambulanten Versorgungsstrukturen müssen mit Augenmaß weiterentwickelt werden“, fordert von Stillfried. "Hierfür ist die Bevölkerungsstruktur und ihr Behandlungsbedarf genauso wichtig wie die Veränderung der Arbeitsteilung zwischen niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern.“


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