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24.07.13 / 09:22
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Spezialberufe gefährden Patientenorientierung

Die Patientenorientierung bleibt laut einer Studie auf der Strecke. Schuld sind demnach die vielen Spezialqualifikationen im Gesundheitswesen, die bisher ohne Blick auf die Folgen entstehen.



Die Berufelandschaft im Gesundheitssektor ist laut einer neuen Studie kaum noch überschaubar Mirko Raatz - Fotolia.com

Die Berufelandschaft im Gesundheitssektor ist kaum noch überschaubar. Angesichts einer Vielzahl neuer Bildungsangebote, Spezialqualifikationen und erweiterter Kompetenzprofile droht die Patientenorientierung auf der Strecke zu bleiben. Das ist jedenfalls das Ergebnis einer aktuellen Studie des Instituts Arbeit und Technik in Gelsenkirchen. "Eine strategische Berufsbildungspolitik für die Gesundheitsberufe, systematisch verknüpft mit einer menschengerechten Arbeitsgestaltung, steht seit langem aus!“, so die Autoren Christoph Bräutigam, Michaela Evans und PD Dr. Josef Hilbert.

Vom Basteln zur Strategie

Im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung untersuchen die Wissenschaftler Berufsbilder im Gesundheitssektor und suchen nach Wegen „vom Berufebasteln zur strategischen Berufsbildungspolitik“. Denn die Gesundheitsberufe stünden offenbar in einem Spannungsfeld unterschiedlichster Interessen: Ihr erstes Fazit: Das Management will gerne Effizienzreserven heben und entwickelt vielfältige Tätigkeitsprofile mit oft engen Spezialisierungen, die schnelle Kompetenz zu niedrigen Löhnen versprechen. Vertreter der Berufsgruppen setzen dagegen auf neue Aufgaben und autonomere Arbeit, um mehr Ansehen und bessere Bezahlung durchzusetzen. Auch Hochschulen und andere Bildungsträger bieten hier innovative Qualifikationen an, vor allem, wenn damit gute Auslastung zu erwarten ist.

"Die Akademisierung ist alternativlos"

Die zunehmende Akademisierung vieler nicht-ärztlicher Heilberufe halten die Autoren für sinnvoll und alternativlos. Für die Studierenden wie für die Gesundheitsanbieter bleibe aber auf absehbare Zeit unklar, auf welche Stellen, mit welchen Befugnissen und zu welchen Bedingungen gearbeitet werden soll. "Insgesamt findet in der Welt der Krankenhäuser eine dynamische Erneuerung der Berufsbilder statt, die weder in ihrer Ausrichtung noch mit Blick auf die zu erwartenden Ergebnisse strategisch fundiert ist“, so die Studie.

Berufsbildungsbericht eingefordert

Die Forscher plädieren deshalb für einen "Berufsbildungsbericht Gesundheitswirtschaft“. Mit dem Ziel, eine empirisch fundierte Berichterstattung zur Lage und zur Entwicklung von Qualifikationen, Tätigkeiten und Arbeitsroutinen zu erhalten sowie ein wissenschaftliches Trendmonitoring über innovative Gestaltungsmöglichkeiten zu geben. Der Gestaltungsdialog in und mit der Praxis soll ausgebaut werden, um das dort vorhandene Wissen abzuholen und um innovative Gestaltungsansätze auf Praxistauglichkeit zu prüfen.
 


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