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28.11.12 / 13:48
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Studenten nehmen oft Psychopharmaka

Jede fünfte Pille, die ein Student verschrieben bekommt, ist ein Medikament zur Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems - Tendenz steigend.



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Wie die Studie der Techniker Krankenkasse (TK) zur gesundheitlichen Situation von Studierenden im Alter von 20 und 35 Jahren zeigt, erhielt ein Student im Jahr 2010 durchschnittlich 13,5 Tagesdosen Psychopharmaka und ähnliche Medikamente, vier Jahre vorher waren es 8,7 Tagesdosen - eine Steigerung um 55 Prozent.

Erwerbspersonen in dieser Altersgruppe bekamen 2010 statistisch gesehen 9,9 Tagesdosen verschrieben und damit "nur" 39 Prozent mehr als 2006 (7,1 Tagesdosen). Insgesamt wurden jedem Hochschüler im Jahr 2010 Medikamente für 65 Tage verordnet, einem erwerbstätigen Altersgenossen dagegen 72 Tagesdosen.

Mehr Antidepressiva

Aber nicht nur das Volumen der Arzneimitteln bei Erkrankungen des Nervensystems ist laut der Studie gestiegen. Auch der Anteil junger Menschen, die medikamentös behandelt werden, nimmt weiter zu. Besonders stark sind innerhalb der letzten vier Jahre die Verordnungsraten von Antidepressiva gestiegen: um mehr als 40 Prozent.

Jeder fünfte Student mit psychischer Diagnose

Ein Blick auf die ambulanten Diagnosedaten zeigt, dass jedem fünften Studenten und jungen Erwerbstätigen mindestens einmal pro Jahr eine psychische Diagnose gestellt wurde. Frauen sind laut TK mit 30 Prozent deutlich häufiger betroffen als Männer mit 13 Prozent. Mit zunehmendem Alter nehmen die Diagnosen einer psychischen Störung bei Studierenden erheblich stärker zu als bei Berufstätigen.

Stressfaktor steigt

Anscheinend fühlt sich fast jeder deutsche Student gestresst. Das ergab eine aktuelle Forsa-Umfrage unter 1.000 Studenten in Nordrhein-Westfalen, die die TK zitiert. Fast die Hälfte der Befragten fühlt sich demnach sogar häufig oder immer gestresst. Hauptursache: Prüfungen, Zeitdruck und finanzielle Sorgen. Die Studenten klagten über Nervosität, Erschöpfung, Kopfschmerzen und Schlafstörungen. Jeder Zehnte gab an, dass er zur Bekämpfung des Stresses Psychopharmaka nimmt.

Weniger Freiräume
Die Forsa-Umfrage offenbart auch, dass die Studenten die Bologna-Reformen sehr kritisch sehen. In der Studienzeitverkürzung sehen die meisten von ihnen einen großen Stressfaktor. Sie beklagen aber auch, dass sie durch die neuen Studiengänge weniger Freiräume und weniger Spielraum für die Persönlichkeitsentwicklung haben.

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