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14.09.12 / 13:14
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Studie: Praxisgründer müssen mehr zahlen

Die Existenzgründungsanalyse 2011 der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) und dem Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) zeigt es: Während Erlöse aus der Praxisabgaben stabil blieben, stiegen die Kosten einer Praxisneugründung.



Dominik Pietsch

Vor allem in den alten Bundesländern ist die Neugründung einer zahnärztlichen Einzelpraxis 2011 deutlich teurer geworden. So mussten Existenzgründer laut Analyse im vergangenen Jahr für eine neue Einzelpraxis ein Finanzierungsvolumen von 429.000 Euro (inkl. Betriebsmittelkredit) einplanen; das sind 29.000 Euro mehr als im Vorjahr.

Die Übernahme einer Einzelpraxis ist 2011 hingegen 8.000 Euro günstiger geworden und schlug im Mittel mit 299.000 Euro zu Buche. Davon entfielen 157.000 Euro auf den Ablösepreis der Praxis, also Substanzwert plus Goodwill. Dies entspricht 52,5 Prozent des Finanzierungsvolumens.

Männer investieren im Schnitt fast 100.000 Euro mehr in den Praxistart

„Insgesamt war die Neugründung um 130.000 Euro teurer als die Übernahme einer Einzelpraxis“, kommentiert Georg Heßbrügge, Bereichsleiter Gesundheitsmärkte und -politik bei der apoBank die Ergebnisse. „Ein Grund liegt darin, dass Neugründer in hohem Maße in zahnmedizinisch-technische Geräte investieren müssen. Bei Übernehmern fallen diese als Ersatzinvestitionen erst im Zeitverlauf an. Das sollte man unbedingt von Beginn an einkalkulieren und schon bei der Finanzierung berücksichtigen.“

Deutliche Unterschiede im Investitionsverhalten ergaben sich nach Geschlecht. So wendeten Frauen für die Neugründung einer Einzelpraxis 377.000 Euro auf. Männer investierten 476.000 Euro; also 26,3 Prozent mehr. Bei der Übernahme setzten Männer mit 322.000 Euro 17,9 Prozent mehr ein als Frauen (273.000 Euro).

Im Osten ist die Praxisübernahme teurer geworden

In den neuen Bundesländern lag das Finanzierungsvolumen für die Übernahme einer Einzelpraxis bei 198.000 Euro. Im Vergleich zum Vorjahr mussten Existenzgründer damit 13.000 Euro mehr aufwenden. 43,9 Prozent des Finanzierungsbetrages, also 87.000 Euro, entfielen auf den Abgabepreis (Substanzwert plus Goodwill).

„Betrachtet man die letzten zehn Jahre, dann ist das der höchste Wert, den Existenzgründer bislang aufbringen mussten. Dennoch liegt das Finanzierungsvolumen in den neuen Bundesländern immer noch rund ein Drittel unter dem in den alten Bundesländern“, so Dr. David Klingenberger, stellvertretender wissenschaftlicher Leiter des IDZ. Hierin zeige sich die tendenziell geringere Nachfragesituation in den neuen Bundesländern.

Art der Existenzgründung ist in beiden Landesteilen gleich verteilt

Erstmals seit Beginn der Erhebungen gab es bei Art der Existenzgründung zwischen Ost und West keine Unterschiede: In den alten und neuen Bundesländern wählten 52 Prozent der Existenzgründer die Einzelpraxisübernahme. 34 Prozent entschieden sich für eine Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) und 14 Prozent für die Neugründung einer Einzelpraxis.

„Die prozentual großen Unterschiede zwischen Übernahme und Neugründung lassen sich zum Teil auch auf die hohen Preisunterschiede zurückführen“, erklärt Klingenberger. „Zudem zeigt sich, dass viele Zahnärzte die Vorteile einer Übernahme, zum Beispiel in Form eines gewachsenen Patientenstamms oder eines eingespielten Praxisteams, für ihren Start in die Selbständigkeit nutzen wollen.“

In den alten Bundesländern ließ sich je ein Viertel der Existenzgründer in der Großstadt bzw. auf dem Land nieder. 20 Prozent wählten die Mittelstadt, 30 Prozent die Kleinstadt. In den neuen Bundesländern wählte je rund ein Viertel die Kleinstadt (26 Prozent) oder das Land (27 Prozent). 42 Prozent ließen sich in der Mittelstadt nieder. 5 Prozent eröffneten ihre Praxis in der Großstadt.

Existenzgründer werden älter

„Zwar haben wir in den alten und neuen Bundesländern noch viele Existenzgründer, die sich auf dem Land, also in Orten mit weniger als 20.000 Einwohnern, niederlassen. Dennoch zeigt unsere Analyse, dass die Zahlen rückläufig sind“, erläutert Heßbrügge. „Hier muss die Politik gegensteuern und Anreize setzen, um auch künftig eine flächendeckende zahnärztliche Versorgung sicherstellen zu können.“

Existenzgründer in den alten Bundesländern waren die Existenzgründer durchschnittlich 35,6 Jahre, in den neuen Bundesländern 34,0 Jahre. Damit stieg das Durchschnittsalter weiter an. Bei einer Betrachtung der Jahre 2009 bis 2011 ist entsprechend zu erkennen, dass der Anteil der Existenzgründer bis 30 Jahre kontinuierlich sinkt: In den alten Bundesländern von 19 auf 14 Prozent; in den neuen Bundesländern von 32 auf 21 Prozent.

In den alten Bundesländern schlug sich der seit langer Zeit zu beobachtende Trend zur Feminisierung des Berufsstandes noch nicht in den Existenzgründungszahlen nieder: 42 Prozent der Gründer waren Frauen. In den neuen Bundesländern war das Geschlechterverhältnis ausgeglichen.

Die Datenbasis der Existenzgründungsanalyse 2011 bilden die von der apoBank durchgeführten und auswertbaren Finanzierungen zahnärztlicher Existenzgründungen. Diese werden seit 1984 erfasst und anonymisiert ausgewertet. Die statistische Auswertung wurde gemeinsam von der apoBank und dem IDZ durchgeführt.



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