sg/dpa
25.06.13 / 09:02
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Therapien in der Muttersprache gefordert

Knapp 600.000 Flüchtlinge leben in Deutschland. Traumatisierte Flüchtlinge sollen nach dem Willen der Gesundheitsminister der Länder künftig eine psychische Betreuung in ihrer Muttersprache bekommen.



 "Es gibt etwa Riesenprobleme bei der Sprache, denn die Flüchtlinge brauchen idealerweise muttersprachliche Angebote", sagte Niedersachsens Ressortchefin Cornelia Rundt (SPD). 2012 beherbergte Deutschland nach dem Jahresbericht des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) fast 590.000 Flüchtlinge. In dieser Woche wollen die Länderminister deshalb auf ihrer Konferenz in Potsdam Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr in einem Antrag auffordern, gesicherte Daten zu sammeln, um zu erkennen, welche Hilfen erforderlich sind.

Familienmitglieder können nicht dolmetschen 

"Unter den Ländern ist unstrittig, dass wir ein bundesweites Gesamtkonzept brauchen", betonte Rundt. In den Therapien gehe es oft um schwierige Themen, über die die Betroffenen in einer Fremdsprache nicht gut sprechen könnten, sagte er. Derzeit fungierten häufig Familienmitglieder als Dolmetscher. Das helfe aber nicht wirklich, "denn keine Mutter würde ihrem Sohn etwa erzählen, was sie bei Vergewaltigungen erleben musste. Wir brauchen deshalb ein heimatsprachliches Angebot." Ziel sei eine bessere psychologische und soziale Versorgung, damit sich Flüchtlinge schneller in Deutschland zurechtfinden können. 

Auch für die Ärzte und Psychologen sei es bei der Beurteilung der Traumata und Erlebnisse im Hinblick auf mögliche Ausweisungen oder Abschiebungen wichtig, nicht an sprachlichen Hürden zu scheitern. "Psychiatrische Gutachten von deutschen Ärzten erkennen häufig nicht die therapeutischen Notwendigkeiten, weil der Arzt aus sprachlichen und kulturellen Gründen gar nicht erfassen kann, ob und wie jemand traumatisiert ist", betonte Rundt.

Eine Chance: ausländische Mediziner

"In allen Sprachen wird das zwar nicht realistisch sein." Angesichts der wachsenden Zahl von Ärzten und Psychologen mit ausländischen Wurzeln, biete sich aber die Chance, "dies zumindest in möglichst vielen Sprachen anzubieten." In Niedersachsen werde derzeit bereits geprüft, wie ein spezielles Traumazentrum für Flüchtlinge eingerichtet werden könne. Jedoch seien Konzept und Finanzierung noch völlig offen. "Wir wissen aber aufgrund von Einzelfällen, dass dies dringend erforderlich ist", sagte Rundt. 


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