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06.02.17 / 14:06
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Tiefseeräuber mit großer Klappe

Dank ihrer einzigartigen Anatomie können Barten-Drachenfische problemlos gleich große Beutetiere fressen. Möglich wird das durch ein Spezialgelenk am Hinterkopf, wie Forscher entdeckt haben.




Der Barten-Drachenfisch (Stomiidae) kann sein Maul 120 Grad weit öffnen. Für diese Erkenntnis färbten Nalani Schnell vom Französischen Museum für Naturkunde in Paris und Dave Johnson vom US-Museum für Naturkunde in Washington einige in Alkohol konservierte Exemplare ein und analysierten ihre Anatomie mittels spezieller Mikroskopkameras. Bei keiner anderen Fischart sei bisher ein spezielles Gelenk aus weichem Gewebe bekannt, das auch das Verschlucken sehr großer Beute erlaube, berichten die Forscher.

Bei den Barten-Drachenfischen, die Tiefen bis zu einem Kilometer leben, besitzen fünf Gruppen diese flexible Verbindung am Nacken. Sie ermöglicht es ihnen, Beutetiere zu verschlingen, die genau so groß sind wie sie - so fressen die gerade einmal 15 Zentimeter langen Tiefseefische gern Sardinen.

Nalani Schnell, David Johnson, Evolution of a Functional Head Joint in Deep-Sea Fishes (Stomiidae), in: PLOS ONE, February 1, 2017, doi: 10.1371/journal.pone.0170224

Als Nalani Schnell während ihrer Diplomarbeit vor elf Jahren mit ihrer Forschung zu diesen Tiefseefischen begann, half ihr der Zahnarzt Dr. Martin Orleth aus Nürtingen aus der Patsche. Sie benötigte dringend Röntgenbilder vom Kopf, den Zähnen und dem vorderen Teil der Wirbelsäule der Fische, doch leider gab es kein Röntgengerät an der Uni Tübingen. "Ich hatte zufällig einen Zahnarzttermin in Nürtingen. Dort wurde mein Gebiss geröntgt und ich fragte meinen Zahnarzt Dr. Orleth, ob ich denn mal mit einem dieser Fische vorbeikommen dürfte." Sie durfte und Schnell kam zu ihren ersten Röntgenaufnahmen von diesen Fischen.


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