ck
28.04.17 / 12:00
Nachricht

Verbraucherschützer warnen vor Fitnessarmbändern

Die Verbraucherzentrale NRW hat 12 Wearables und 24 Fitness-Apps untersucht. Ergebnis: Die meisten Geräte greifen Daten ab, doch fast kein Anbieter informiert die Nutzer in seinen Datenschutzerklärungen über die Verwendung dieser Informationen. Neun Anbieter wurden abgemahnt.




Fitness-Apps und Smartwatches überwachen jeden Schritt -  nicht nur vom und für den Nutzer, vor allem auch für den Anbieter. Die Verbraucherschützer haben deshalb untersucht, welche Daten  die Geräte und Anwendungen erheben an welche Server sie gesendet werden und wie sicher die Datenübertragung vor ungewolltem Zugriff ist.

Anbieter geben personenbezogene Daten einfach an Dritte weiter

Die Ergebnisse sind ernüchternd: Eine Kontrolle über die eigenen Daten bei der Wearable- und Fitness-App-Nutzung ist demnach für Verbraucher kaum möglich: "Die Mehrzahl der untersuchten Apps sendet zahlreiche, mitunter sensible, Informationen wie Gesundheitsdaten an die Server von Anbietern und bindet darüber hinaus auch Drittanbieter wie beispielsweise Analyse- oder Werbedienste ein", bilanzieren die Experten.

  1. Technische Daten - wie etwa das Betriebssystem des Smartphones - werden demzufolge bei 16 von 19 Apps bereits an Drittanbieter gesendet, bevor Verbraucher überhaupt den Nutzungsbedingungen zustimmen und über den Umgang mit ihren Daten informiert werden konnten.
  2. 10 von 12 geprüfen Wearables sind nicht geschützt vor ungewollter Standortverfolgung (Tracking), was das Erstellen von Bewegungsprofilen möglich macht..
  3. 20 von 24 Fitness-Apps senden - mitunter sensible - Informationen an Anbieter, darunter etwa Daten zu: Gesundheit, Nutzerprofil, Standort, Nutzungsverhalten sowie technische Daten.
  4. Sechs Anbieter räumen sich die Möglichkeit ein, Änderungen in den Datenschutzerklärungen jederzeit und ohne den Nutzer aktiv darüber zu informieren vornehmen zu können. Fünf halten es sich sogar offen, die personenbezogenen Daten ihrer Nutzer bei Fusion oder Übernahme durch andere Unternehmen weiterzugeben.
  5. Dabei lassen die geprüften Anbieter die Nutzer häufig darüber im Unklaren, was mit den gesammelten Daten passiert: "Drei Anbieter stellen ihre Datenschutzhinweise nur in englischer Sprache bereit, nur zwei informieren über die besondere Sensibilität der erhobenen Gesundheitsdaten. Auch holt nur ein Anbieter eine separate Einwilligung für die Verarbeitung dieser sensiblen Gesundheitsdaten von den Nutzern ein", heißt es im Prüfbericht.
  6. Positives Ergebnis: Alle von den untersuchten Fitness-Apps ausgehenden Daten werden über eine sichere Verbindung (https-transportverschlüsselt) versendet.

Diese neun Anbieter wurden abgemahnt

Wegen dieser und anderer aus Sicht der Verbraucherschützer rechtlicher Verstöße hat die Verbraucherzentrale NRW diese neun Anbieter wegen Verstößen gegen Datenschutzbestimmungen abgemahnt: Apple, Garmin, Fitbit, Jawbone, Polar, Runtastic, Striiv, UnderArmour (MyFitnessPal), Withings.

Auch aus sportlicher Sicht gibt es Verbesserungsbedarf, sagte Ingo Froböse von der Deut­schen Sporthochschule Köln dem Deutschen Ärzteblatt. „Apps und Wearables bieten keine individuelle Be­treu­ung, sondern nur mathematische Berechnungen.“ „Wir haben mal fünf Geräte getestet, beim Stre­cken­messen. Und alle haben unterschiedliche Ergebnisse gezeigt.“ Was zeige; Die Daten seien nicht verlässlich und die Geräte könnten eine individuelle Betreuung nicht ersetzen. „Nach sechs bis acht Wochen liegen sie in der Ecke. Warum? Weil es langweilig ist, jeden Tag von Apple eine Medaille verliehen zu bekommen.“

Warum auch Sportmediziner Bedenken haben

Bedenken äußerte er auch, was die Daten anbelangt: „Im Moment werden immer mehr Dinge gemessen, immer kleinteiliger. Nicht, weil es den Nutzern hilft, son­dern um immer mehr Daten herauszuholen. Dabei braucht es nur wenige Parameter für ein gutes Training.“


Mehr zum Thema


Kommentare

Leserkommentare (0)

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können