sg/pm
07.04.14 / 11:55
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Versorgungslücke am Lebensende

Mehr als jeder fünfte Deutsche, der einen Sterbenden begleitet hat, stuft die Versorgung als schlecht ein. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP).



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Die Stiftung sieht daher „dringenden Handlungsbedarf“. Eine gute Palliativversorgung ermögliche den Menschen auch mit schwerwiegenden Einschränkungen ihr Leben bis zu Ende in Würde und Selbstbestimmtheit leben zu können. Schwerstkranke, ältere Menschen hätten jedoch oft keinen hinreichenden Zugang zu entsprechender Unterstützung.

Palliativmedizin - auch bei Demenz sinnvoll

„Zunehmende und typische Alterserkrankungen wie etwa Demenz gelten immer noch zu selten als Einsatzfeld von Palliativversorgung oder sie wird in diesen Fällen oft zu spät in Betracht gezogen“, sagt Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP. Dabei trage eine gute, bedürfnisorientierte palliativmedizinische Versorgung unter anderem dazu bei, belastende Symptome zu lindern, Ängste zu verringern und Lebensqualität zu verbessern, so Suhr. Dies habe auch für die meisten Interviewten höchste Priorität.

Schmerzen maximal lindern

Laut Studie sind für immerhin 86 Prozent der Befragten die wichtigsten Kriterien für eine gute Versorgung am Lebensende die maximal mögliche Linderung von Schmerzen, Übelkeit oder Luftnot. Auch die Begleitung im Umgang mit Angst und Trauer halten zwei Drittel der Befragten demnach für besonders relevant; mehr als jeder Zweite misst der Beratung und Unterstützung von pflegenden Angehörigen eine hohe Bedeutung bei.

Daheim sterben

Diese Priorisierung ist der Stiftung zufolge unabhängig davon, ob bereits Erfahrung in der Pflege oder Begleitung einer sterbenden Person gemacht wurde. Befragt nach den eigenen Wünschen, gab danach jeder Zweite an, zu Hause sterben zu wollen. In einem Pflegeheim oder Krankenhaus wollen hingegen nur vier Prozent verscheiden. Demgegenüber geht die Stiftung davon aus, dass die meisten Menschen in Deutschland - schätzungsweise etwa 65 bis 75 Prozent - in stationären Einrichtungen sterben.

So lange wie möglich selbstständig entscheiden

Ebenso spielten Aspekte wie Teilhabe und Selbstbestimmung eine große Rolle. Für 94 Prozent der Interviewten sei es wichtig, auch in der Phase des Sterbens Dinge tun zu können, die ihnen Freude machen. Über Maßnahmen in der Behandlung und Pflege selbst entscheiden zu können, rangiere an zweiter Stelle (92 Prozent).

Aber auch psychosoziale Aspekte hätten für einen sehr großen Teil der Befragten einen hohen Stellenwert: Abschied nehmen zu können (88 Prozent) und Familie oder Freunde an der Seite zu haben (86 Prozent), wünschten sich viele Menschen.


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