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07.11.12 / 14:03
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Vertragszahnärzte verabschieden gesundheitspolitisches Grundsatzprogramm

Eine patienten- und konsequent präventionsorientierte, qualitativ hochwertige und auch künftig wohnortnahe zahnärztliche Versorgung ist das Ziel der "Agenda Mundgesundheit", die die Vertreterversammlung der KZBV am 7. November in Frankfurt einstimmig verabschiedet hat.



KZBV/Darchinger

"Die Menschen sollen auch bei steigender Lebenserwartung ihre natürlichen Zähne bis zum Lebensende behalten und gesund erhalten können - auch dann, wenn sie ein erhöhtes individuelles Krankheitsrisiko haben", erläuterte der KZBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Jürgen Fedderwitz vor den rund 60 Bundesdelegierten die gemeinsame politische Positionierung der Vertragszahnärzte Deutschlands.

Mit Blick auf das geplante Patientenrechtegesetz warnte Fedderwitz ausdrücklich davor, durch zusätzliche Regeln und aufwendige Dokumentationspflichten den Weg in eine Defensivmedizin anzutreten. Hier setze die zahnärztliche Selbstverwaltung seit Jahren erfolgreich auf hocheffektive Qualitätssicherung durch Gutachterwesen, Patientenberatung, freiwillige Qualitätszirkel und Zertifizierungen sowie verpflichtendes Qualitätsmanagement und lebenslange Fortbildung.

"Strategie und Zielsetzung der kommenden Jahre sind benannt"

Erklärtes Ziel der Agenda Zahngesundheit werde es daher auch sein, dieses Engagement der Zahnärzteschaft zur kontinuierlichen Optimierung von Transparenz und Qualität in der Öffentlichkeit mehr als bisher bewusst zu machen und mit Vorschlägen zu mehr Qualität und Transparenz im vertragszahnärztlichen Bereich offensiv auf den Gesetzgeber zuzugehen. 

Rund ein Jahr vor der nächsten Bundestagswahl stellt sich die zahnärztliche Standesvertretung akuten Themen wie der Patientenorientierung und einer Präventionsstrategie, die von der Vermeidung frühkindlicher Karies bis zur konsequenten Betreuung in der Alters- und Behindertenzahnmedizin reicht, und benennt damit die zahnärztliche Strategie und Zielsetzung der nächsten Jahre.

KZBV-Vorstandsmitglied Dr. Wolfgang Eßer: "Wir Zahnärzte 'können' Prävention und haben das bei Kindern und Jugendlichen bewiesen, während andere nur darüber reden. Die Politik kann und sollte uns zutrauen, dass wir ähnlich gute Ergebnisse mit dem Präventionsansatz auch im Bereich der Pflege und in der Alters- und Behindertenzahnheilkunde erzielen können."

Die von der Zahnärzteschaft in die Politik getragenen Konzepte seien in Teilen bereits umgesetzt, jetzt müssten die zahnärztlichen Vorschläge auch in die zur Verabschiedung anstehende nationale Präventionsstrategie Eingang finden.

"Wir wollen Player im System bleiben"

Mit einer nachhaltigen Optimierung der gemeinsamen Datenerhebung wollen KZBV und KZVen künftig Versorgungsbedarfe noch genauer identifizieren. Dazu habe man gemeinsam mit der BZÄK die "Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie" (DMS V) in Auftrag gegeben.

Zudem werde man durch einen Datenkoordinationsausschuss und die gemeinsame Schaffung einer "verlässlichen Basis an epidemiologischen Daten, Daten zur Morbiditätsentwicklung und Abrechnungsdaten" neue Grundlagen schaffen, die zur besseren Einschätzung und sachlichen Argumentation beitragen sollen. Eßer: "Wir wollen Player im System bleiben und nicht Gefahr laufen, von anderen Organisationen, Krankenkassen und der Politik fremdbestimmt zu werden."

Die Vertragszahnärzteschaft bedauert, so KZBV-Vorstandsmitglied Dr. Günther E. Buchholz mit Blick auf den über das Festzuschusssystem seitens der gesetzlichen Krankenkassen "in den ersten Jahren eingesparten Milliardenbetrag" und anhängigen Überschüssen von mehr als 20 Milliarden Euro, "dass die Mittel, die die GKV bei Zahnersatz eingespart hat, bislang nicht in die Präventionsausrichtung der Versorgungsbereiche fließen".

Die KZBV fordert, dass weiterhin in die Präventionsausrichtung der Zahnmedizin investiert wird. Buchholz: "Wir haben klare Versorgungsbedarfe bei unseren Patienten, die in dieser finanziellen Situation auch befriedigt werden können und sollten." 

"Wettbewerb muss qualitative Versorgung der Patienten zum Ziel haben"

Zwecks Aufrechterhaltung einer auch künftig wohnortnahen Versorgung wehrt sich die KZBV gegen weitere selektivvertragliche Regelungen. Buchholz: "Wettbewerb als Steuerungsinstrument im Gesundheitswesen muss eine effiziente, qualitativ hochwertige Versorgung der Patienten zum Ziel haben. Hierzu muss das kollektivvertragliche System der vertragszahnärztlichen Versorgung kreativ fortentwickelt werden." Sinnvoll sei der Weg, kollektive Ergänzungsverträge zu schaffen. 

Die "Agenda Mundgesundheit" können Sie hier downloaden.



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