sg
06.06.13 / 11:51
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Viel zu tun

Um die Zukunft des deutschen Gesundheitswesens ging es bei einer Diskussion der KBV auf dem Hauptstadtkongress. Tenor: Regionale Disparitäten gefährden die medizinische Versorgungsstruktur massiv.



Susanne Schmidt-Dominé/Wiso

In der Reihe "KBV kontrovers" der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) wurde diskutierte, wie viel Gesundheit sich die Gesellschaft in 20 Jahren noch leisten kann und will. Für KBV-Chef Dr. Andreas Köhler ist die ungleiche regionale Verteilung der Ärzte schon jetzt ein gravierendes Problem, das sich noch verschärfen wird. Für die Versorgungslage bedeute dies nichts Gutes: Köhler: "Dort, wo heute zwei Ärzte versorgen, werden in 20 Jahren angesichts der zunehmenden Alterung der Gesellschaft drei Ärzte die Versorgung übernehmen müssen.“

"50-Stunden steht  der Arzt von morgen den Patienten nicht zur Verfügung"

Die kommenden Mediziner seien allerdings nicht mehr bereit, 50 Stunden und mehr für die Patienten zur Verfügung zu stehen. Für die folgenden Ärzte-Generationen sei die Frage der Vereinbarkeit von Beruf und Familie mehr von Belang als für frühere Jahrgänge. "Der Zugang zu den medizinischen Versorgungsstrukturen läuft nun mal am besten über den Hausarzt“, so Köhler. Könne man nicht ausreichend Ärzte zur Niederlassung bewegen - auch in regional wenig besiedelten Gebieten, - etabliere sich erst recht eine Zwei-Klassen-Medizin.

"Honorare bei Gesundheit statt Krankheit"

Für eine Veränderung der Anreizsysteme für die Mediziner setzte sich Prof. Dr. Ferdinand M. Gerlach ein. Das Mitglied des Sachverständigenrats (SVR) erkennt in den verstärkten Selbstzahlerleistungen in der Medizin einen Trend und wirbt für ein Honorarmodell, wie es der SVR bereits in seinem Gutachten 2009 vorstellte. Danach richtet sich die Versorgung und Honorierung populationsbezogen aus und Ärzte werden honoriert, wenn die Bevölkerung  gesund bleibt. Derzeit sei das System so ausgerichtet, dass man an kranken Patienten verdient.

"Es gibt keine Vollkasko-Mentalität"

Der Abteilungsleiter Soziales beim Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband, Dr. Joachim Rock, wandte sich gegen die bei gesundheitspolitischen Diskussionen immer wieder zu vernehmende These, dass die Versicherten hierzulande allzu gern einer Vollkasko-Mentalität  nachhängen würden. Viele Bereiche, in denen die Patienten bereits heute massive Zuzahlungen leisten, bewiesen das Gegenteil.

"Die Versicherten haben zu hohe Ansprüche"

Indes wurde von Dr. Oliver Scheel als Partner der Unternehmensberatung A. T. Kearney ein zu hohes Anspruchsniveau der Versicherten bemängelt. Damit sei die Finanzierung des Gesundheitssystems "in Zukunft nicht mehr zu halten“. Stattdessen setzt er auf den Ausbau der Eigenverantwortung der Patienten. Und: "Der zweite Gesundheitsmarkt ist die Chance, den ersten zu stützen“, so Scheel.

Die Diskussion war eingebettet in den diesjährigen Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit in Berlin. Zu der dreitägigen Veranstaltung werden etwa 8.000 Teilnehmer erwartet, die sich in 180 Einzelveranstaltungen mit rund 600 Referenten um Belange des Gesundheitswesens informieren können. Der Kongress vereint verschiedene Tagungen: Den "Managementkongress Krankenhaus Klinik Rehabilitation“, den "Deutschen Pflegekongress“ und das "Deutsche Ärzteforum“. Erstmals mit von der Partie ist 2013 das "Apothekerforum“.


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