ck/pm
17.10.12 / 14:04
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Warum die Frauenquote in der Gyn nicht funktioniert

Auf vier Ärztinnen, die die Facharztprüfung zur Gynäkologie und Geburtshilfe ablegen, kommt nur noch ein Mann. Kein anderes medizinisches Fach hat eine so hohe Frauenquote.



Dominik Pietsch

Trotzdem funktioniert die Frauenquote in diesem Fach nicht, moniert die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. In verantwortlichen Positionen liege der  der Frauenanteil laut DGGG-Mitgliederstatistik lediglich bei zwölf Prozent. Nur im neuen Vorstand der DGGG sitzen ab sofort sechs Frauen und zehn Männer; das bedeutet eine Frauenquote von knapp 40 Prozent.

Frauen kommen nicht an der Spitze an

Die Mitgliederzahlen der DGGG bestätigen demnach die Zahlen der Bundesärztekammer: 80 Prozent der Mitglieder unter 35 Jahren sind weiblich. Aber, so lautet das Fazit: Frauen kommen nicht auf der Leitungsebene an.

Obwohl inzwischen von etwa 800 Chefarztstellen in der Frauenheilkunde in Deutschland knapp 100 nicht besetzt seien. Männlich dominierte Netzwerke, in denen Frauen beim Aufstieg an die "glass ceiling“, die gläserne Zimmerdecke, stoßen würden, fielen als Ursache hier also weg.

Das Problem: ungeplanten Überstunden und lange Wochenenddienste

"Hier kommen mehrere Entwicklungen zusammen“, erläuterte Dr. Babett Ramsauer, Vorsitzende der Kommission Familie und Karriere, auf dem 59. Kongress der Fachgesellschaft am 12. Oktober in München. "Ärztinnen und ebenso Ärzte, die in ihrer Familie für Kinder Verantwortung tragen, können Stellen mit 50-Stunden-Wochen, ungeplanten Überstunden und langen Wochenenddiensten nicht annehmen."

Häufig seien dann nur noch Teilzeitstellen möglich, die mit den Öffnungszeiten von Kindergarten, Schule und Hort vereinbar sind. Oft sei es dann nicht mehr denkbar, einen Dienst- und Operationsplan nach solchen Bedürfnissen auszurichten - "geschweige denn unter solchen Bedingungen Karriere zu machen.“

Gefragt: neue Arbeitszeitmodelle für die Kliniken

Genau dieses Problem sieht auch Prof. Dr. Klaus Friese, Präsident der Fachgesellschaft: "Der hohe Frauenanteil in unserem Fach heißt auch, neue Arbeitszeitmodelle für die Kliniken zu entwickeln, die ja schon seit Jahren angemahnt werden." Assistentinnen und Frauenärztinnen müssten in Zeitabschnitten arbeiten können, in denen Schwangerschaft und Kinderbetreuung möglich ist, ohne ihre berufliche Qualifizierung zu gefährden.

Friese: "Warum soll in Zukunft nicht zum Beispiel eine Chefarztstelle von zwei Chefärztinnen - oder auch von zwei Chefärzten - in einem Teilzeitprogramm übernommen werden? Mir ist natürlich klar, dass durch solche Arbeitszeitmodelle auch Verluste entstehen können, wie Informationsverlust, Verantwortungsverlust oder Kooperationsmängel."

Andererseits werde es Friese zufolge ansonsten nicht mehr ausreichende Persönlichkeiten geben, die Führungspositionen als Chefärztin oder Ordinaria beziehungsweise als Chefarzt oder Ordinarius übernehmen können.

Das Ziel: eine verlässliche Flexibilität

Ramsauer: "Bei einem Frauenanteil von 80 Prozent auf unseren Stationen, von denen oft die Hälfte schwanger ist oder Kinder hat, können Ganztags-Arbeitsplätze nicht mehr die Regel sein. Wir müssen uns umstellen und eine ganz neue Art von verlässlicher Flexibilität lernen." Das falle Männern wie Frauen in Führungspositionen oft noch schwer.

Den Schlüsselbegriff nannte Festrednerin Arbeitsministerin Ursula von der Leyen: "Wenn wir in der Klinik Kolleginnen und Kollegen, die in ihrer Lebensplanung Familie und Karriere vereinbaren wollen, wertschätzen, dann werden wir gute Lösungen finden, und dann werden wir sicher irgendwann auch in den Führungspositionen in der Frauenheilkunde bei einer respektableren Frauenquote ankommen.“
 



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