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13.02.17 / 14:00
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Weißmacher-Pasten: reines Marketing?

Weißmacher-Zahnpasten sind ein Bluff, lautet die Botschaft der belgischen Verbraucherschutzorganisation Test-Achats. Diese hatte mit 600 Freiwilligen 18 Pasten einen Monat lang getestet - ohne messbaren Erfolg.



Zu schön, um wahr zu sein? Der Verbraucher zahle bei Weißmacher-Zahnpasta einen höheren Preis "für ein reines Marketing", urteilt die belgische Verbraucherschutzorganisation Test Achats und spricht den Produkten einen Nutzen ab. Deutsche Tester kommen zu anderen, aber - unter Berücksichtigung der Inhaltsstoffe - auch nicht zwingend zu positiven Urteilen. puhhha - Fotolia

Ein Zahnarzt bewertete dazu die Farbe der Zähne vor und nach dem Test auf der Grundlage einer Skala von 16 Tonabstufungen, schreibt Test-Achats. Ergebnis: 17 der 18 Weißmacher-Zahncremes führten zu keiner signifikanten Veränderung der Zahnfarbe. Lediglich eine Zahnpasta erzeugte im Test einen Unterschied von einem oder zwei Farben bei einem Drittel der Teilnehmer. "Zahnpastaverpackungen, auf denen ein weißmachender Effekt angepriesen wird, sind im besten Fall eine Täuschung und im schlimmsten Fall eine glatte Lüge“, wird Julie Frère, Sprecherin von Test-Achats, in einem Medienbericht zitiert.

"Im besten Fall eine Täuschung und im schlimmsten Fall eine glatte Lüge!"

Die Verbraucherschutzorganisation kritisiert vor dem Hintergrund des Testergebnisses die höheren Preise für Weißmacher-Zahnpasta, da es ohne einen Zusatznutzen keine Rechtfertigung für die zum Teil deutliche Preisdifferenz zu normalen Zahnpasten gebe. Der Verbraucher zahle stattdessen "extra für ein reines Marketing", heißt es sinngemäß auf der Webseite der Organisation. Die Tester bewerteten zudem die Abrasionswirkung von 15 der 20 Pasten als "sehr stark" und forderten, die Hersteller sollten verpflichtet werden, darauf auf der Verpackung hinzuweisen.

Offensichtlich belässt es Test-Achats nicht allein bei Forderungen. Einem Bericht der Zeitung "Die Welt" zufolge, hat die Organisation wegen, der aus ihrer Sicht vorliegenden Täuschung, bei der Generaldirektion der Wirtschaftsinspektion in Belgien nun Klage eingereicht. Hintergrund: Laut Test-Achats widersprechen die Behauptungen der Zahnpastahersteller nicht nur dem europäischen Reglement für Kosmetikprodukte aus dem Jahr 2009, sondern auch dem belgischen Kodex des Wirtschaftsrechts, welches kommerzielle Praktiken untersagt, mit denen Kunden irregeleitet werden können.

Deutsche Produktprüfer von Stiftung Warentest kamen im Herbst 2014 beim letzten Test von Weißmacherzahncremes hingegen zu einem komplett anderen Ergebnis als ihre Kollegen aus Belgien. 20 Pasten wurden untersucht, dreimal gab es die Note "sehr gut" und 17-mal die Note „gut“. Der Ursache der starken Abweichung im Testergebnis: Die deutschen Tester hatten überprüft, ob es mithilfe der Pasten gelingt, die ursprünglichen Naturfarbe aufzufrischen und Verfärbungen zu entfernen - und eine entsprechende Wirkung erkannt.

Ökotest hatte 2016 ebenfalls Weißmacherzahnpasten - vor allem mit Blick auf die Inhaltsstoffe - getestet. Dabei erhielten immerhin sechs Pasten das Teiltestergebnis „sehr gut“. Da die Tester jedoch bei allen Produkten einen eindeutigen Hinweis vermissten, dass Nutzer mithilfe der Pasten bestenfalls Verfärbungen entfernen und so nur ihre natürliche Zahnfarbe auffrischen und nicht aufhellen können, erhielt keine Paste eine bessere Gesamtnote als "befriedigend".


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