mg/dpa
25.07.14 / 13:26
Nachricht

Welt-Aids-Konferenz prangert Diskriminierung an

Wissenschaftler und Gesundheitsexperten haben die Aids-Epidemie größtenteils unter Kontrolle. Jedoch gefährden Diskriminierung von Infizierten und Kriminalisierung sexueller Praktiken die Erfolge.



Knapp 80 Prozent der HIV-Infizierten hatten in einer Umfrage der Deutschen Aids-Hilfe angegeben, im Jahr vor der Befragung Diskriminierung erfahren zu haben - von Tratsch über Zurückweisung bei Arztbesuchen oder Mobbing bei der Arbeit bis hin zu körperlicher Gewalt. shefkate-Fotolia

Mit einer klaren Absage an Diskriminierung und Gewalt gegen HIV-Infizierte ist in Australien die 20. Welt-Aids-Konferenz zu Ende gegangen. "Niemanden zurücklassen" heißt die Melbourner Erklärung gegen Diskriminierung, die bis Freitag mehr als 3.800 Menschen und zahlreiche Organisationen unterzeichneten. Die Deutsche Aids-Hilfe zog positive Bilanz.

Wissenschaft und Menschenrechte zusammenzuführen sei eine der wichtigsten Bedingungen für erfolgreiche Maßnahmen gegen HIV und Aids. "Auch in Deutschland werden aber noch Menschen zurückgelassen", sagte Carsten Schatz, Vorstandsmitglied der Deutschen Aids-Hilfe. So bekämen Drogenabhängige in Haft oft keine Heroinersatzstoffe wie Methadon, und zehn Bundesländer hätten keine Drogenkonsumräume, die nachgewiesenermaßen Leben retteten.

80 Prozent der Infizierten erleben Zurückweisung, Mobbing oder Gewalt

Knapp 80 Prozent der HIV-Infizierten hatten in einer Umfrage der Deutschen Aids-Hilfe angegeben, im Jahr vor der Befragung Diskriminierung erfahren zu haben - von Tratsch über Zurückweisung bei Arztbesuchen oder Mobbing bei der Arbeit  bis hin zu körperlicher Gewalt. In mehr als 80 Ländern ist die Lage aber viel schlimmer. Dort werden Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung bestraft, heißt es in der Erklärung.

Betroffen sind vor allem schwule Männer, Sexarbeiter, Drogennutzer und Transsexuelle. Das treibe Menschen in den Untergrund und mache den Kampf gegen HIV-Infektionen schwer, die unbehandelt zu der tödlichen Immunschwächekrankheit Aids führen. "Wir fordern die sofortige und vereinte Ablehnung dieser diskriminierenden und stigmatisierenden Praktiken", hieß es in der Erklärung.

Erfolgreiche Labortests geben Hoffnung zur erfolgreichen Behandlung

Neben Ländern wie Uganda, Nigeria und Indien stehen auch Russland und einige Nachbarstaaten am Pranger. Osteuropa und Zentralasien ist nach Angaben der Internationalen Aids-Gesellschaft die einzige Region neben dem Nahen Osten und Nordafrika, in der Neuinfektionen steigen. Der russische Gesundheitsinspektor warf der Aids-Konferenz aus Moskau vor, die Region nicht an einer Podiumsdiskussion über Osteuropa beteiligt zu haben. Der eingeladene Direktor des Aids-Zentrums der russischen Föderation habe die Teilnahme selbst zehn Tage vor der Veranstaltung ohne Gründe abgesagt, sagte die Aids-Gesellschaft dazu.

Große Beachtung fand eine dänische Studie, in der es mit einem Krebsmedikament erstmals gelang, nicht nur in Labors, sondern bei HIV-Infizierten selbst schlummernde Viren aus Zellen zu locken. Aids-Forscher bezeichneten dies als möglichen Durchbruch in der "Kick and Kill"-Strategie - etwa: herauslocken und abtöten. Nächste Herausforderung sei es, das Immunsystem so zu stimulieren, dass es die freigesetzten Virenpartikel abtötet.

Weltweit schätzungsweise mehr als 35 Millionen Infizierte

Die UN-Organisation UNAIDS hatte zu Beginn der Tagung eine neue Vision genannt: Auf dem Weg, die Aids-Epidemie bis 2030 zu beenden, sollen bis 2020 schon 90 Prozent aller Infizierten getestet sein, 90 Prozent behandelt werden und bei 90 Prozent soll das Virus auf ein nicht mehr nachweisbares Niveau gedrückt sein. Weltweit leben nach Schätzungen mehr als 35 Millionen Menschen mit HIV und Aids, aber nur gut die Hälfte weiß davon. Erst 14 Millionen Menschen würden adäquat behandelt, heißt es.

Die nächste Welt-Aids-Konferenz findet 2016 in Durban in Südafrika statt. Die Vorsitzende der dortigen Tagung, Olive Shisana, versprach bis dahin Anstrengungen, um die Diskriminierung in Afrika zu beenden. "Alle Menschen verdienen den gleichen Respekt", sagte sie.


Mehr zum Thema


Werblicher Inhalt