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15.03.17 / 09:00
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Wie viel Evidenz ist in der Zahnmedizin möglich?

In Hamburg stritten Dr. Rainer Jordan, Zahnarzt und Leiter des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ), und Dr. Martina Lietz, Zahnärztin und Mitarbeiterin im Ressort Nichtmedikamentöse Verfahren beim Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), über die methodische Qualität zahnmedizinischer Studien.



Dr. Rainer Jordan und Dr. Martina Lietz beim Schlagabtausch zur methodischen Qualität in zahnmedizinischen Studien. zm-sf

IQWiG-Argument 1: "Verblindung in der Zahnmedizin ist bedingt möglich!"

Position von Dr. Martina Lietz: In den zahnmedizinischen Studien findet man häufig die Bemerkung, es handle sich um eine einfach oder doppelt verblindete Studie. Es wäre wichtig zu erfahren, wer genau verblindet wurde. Das wird aber in den Publikationen häufig nicht genannt. Der Endpunkterheber kann in der Regel gut verblindet werden. Beispielsweise bei der Fluoridapplikation können aber auch Behandler und Patient verblindet werden, wenn etwa ein Placebo-Fluoridgel angebracht wird, das gleich aussieht und ähnlich schmeckt. Bei nicht-medikamentösen Interventionen wird es schwierig, den Patienten zu verblinden. Denkbar ist eine Scheinbehandlung, etwa eine Scheinlasertherapie in einer Studie "Geschlossene mechanische Therapie versus geschlossene mechanische Therapie plus Laser". Bei chirurgischen Therapien mit Lokalanästhesie ist eine Verblindung in vielen Fällen schlichtweg nicht möglich. Eine fehlende Verblindung führt in der Nutzenbewertung nicht zum Ausschluss, aber es kann zu Kointerventionen kommen. Deshalb besteht ein hohes Risiko für einen Kointerventionsbias. Eine fehlende Verblindung führt bei vielen Endpunkten zu einem hohen Verzerrungspotenzial. Auf Verblindung kann verzichtet werden, wenn die Endpunkte zweifelsfrei erhoben werden können.

Position von Dr. Rainer Jordan: Verblindung kann nach außerhalb der strengen Vorgaben bei Arzneimittelstudien durchaus kreativer in den RCTs berücksichtigt werden, als das heute in zahnmedizinischen Studien praktiziert wird.


Kommentare

Leserkommentare (1)

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Dr. Wilfried Forschner
16.03.17 / 17:01
Alles klar ?

Drei Zitate: "Die Translation der statistischen Signifikanz in die klinische Relevanz ist noch nicht geklärt, aber höchst relevant."
"Deshalb besteht ein hohes Risiko für einen Kointerventionsbias."
"Der Endpunkterheber kann in der Regel gut verblindet werden."
Alles klar, oder ?
Dass der Vorbericht des IQWiG jeglicher Praxis- und Lebenserfahrung widerspricht, dürfte einleuchten. Dass diese Diskussion Nullkommanichts zur Klärung beigetragen hat, erkenne ich sogar als doppelt verblindeter Zahnarzt.
Grüsse
WIF

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