eb/ast
15.11.12 / 13:28
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Wirtschaftskrise verschlechtert die Gesundheit der Briten

Je schlechter die Wirtschaftslage, desto mehr Alkohol trinken die Briten, desto weniger treiben sie Sport, leben generell ungesünder und gehen seltener zum Zahnarzt.



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Zu diesem Schluss kommen mehrere Untersuchungen aus Großbritannien, bei denen Hausärzte befragt wurden. Zwei von drei Allgemeinmedizinern berichten, dass seit Beginn der Finanzkrise 2008 deutlich mehr Patienten mit Alkoholproblemen in ihre Sprechstunden kommen. Ähnlich sei die Siutuation bei den Zahnärzten. Auch hier besteht offenbar ein Zusammenhang zwischen weniger Praxisbesuchen und Geldknappheit.

Experten der Organisation "Insight Research Group" (IRG) interviewten 300 Hausärzte des staatlichen britischen Gesundheitsdienstes (National Health Service, NHS). Zwei Drittel berichteten von einem deutlichen Anstieg der alkoholbedingten Konsultationen.

Kein Geld für Sport

Und jeder zweite englische Hausarzt beobachtet, dass Patienten generell weniger Sport treiben als vor 2008. Das geschehe oftmals, "um Geld zu sparen", so die Ärzte. "Oftmals werden Mitgliedschaften bei Fitnessstudios oder in Sportvereinen aus finanziellen Gründen nicht erneuert. Die Folge ist, dass Patienten heute weniger Sport treiben als vor Beginn der weltweiten Finanzkrise."

Da vielen Patienten das Geld fehlt, sinke auch die Zahl der Raucher. Mehr als 70 Prozent der befragten Ärzte gaben an, in ihren Sprechstunden weniger nikotinabhängige Patienten zu haben als noch vor ein paar Jahren. Auch hier sehen die Gutachter einen kausalen Zusammenhang zur schwindenden Kaufkraft. "Die sinkende Zahl von Rauchern ist leider die einzige positive  Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise", sagte IRG-Sprecher Richard Kunzmann.

Kein Geld für Kinder

Insgesamt 17 Prozent der interviewten Hausärzte beobachten eine vermehrte Nachfrage nach Schwangerschaftsabbrüchen. Auch hier wird eine direkter Zusammenhang zur Wirtschaftskrise gesehen. Acht von zehn britischen Hausärzten erzählen ferner, daß die Zahl der mit Stress in die Praxen kommenden Patienten seit 2008 "deutlich gestiegen" sei.

Besonders häufig seien Angststörungen. Und auch hier sehen die Gutachter einen kausalen Zusammenhang mit der anhaltenden Finanz- und Wirtschaftskrise. "Die Patienten haben Angst um ihren Job."

Laut IRG-Studie sind alle gesellschaftlichen Schichten von der Wirtschaftskrise und den damit verbundenen negativen gesundheitlichen Folgen betroffen. Allerdings treffe es sozial schwache Patienten in der Regel besonders hart.

Kein Geld für Gesundheit

Eine Sprecherin des britischen Patientenverbands (Patient Association, PA) bezeichnete die Zahlen genüber zm-online als "alarmierend". Die PA wies darauf hin, daß die jüngsten Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen "die Lage eher noch verschlimmern werden".

Zahnärzte melden ebenfalls, dass Patienten seltener in die Praxen kommen, um so Geld zu sparen. Eine Blitzumfrage von zm-online bei Londoner Zahnärzten ergab: Drei von vier Praxen melden  sinkende Patientenzahlen. Auch hier wird ein direkter Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise gesehen.   



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