eb/pm
25.09.12 / 14:06
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Witten/Herdecke: Schlafmedizin ergänzt Zahnmedizin

Die Zahn- und Humanmedizinstudenten in Witten/Herdecke bekommen nun auch Vorlesungen zum Schlafen. In beiden Studiengängen bietet die Uni ab dem Wintersemester 2012/13 Kurse zur Schlafmedizin an.



 "30 Millionen Menschen in Deutschland schnarchen, zwei bis vier Prozent der Menschen im Alter der Erwerbstätigen leiden an einem sogenannten Schlaf-Apnoe-Syndrom, das heißt, bei ihnen setzt die Atmung aus und das Gehirn wird nicht mehr genügend mit Sauerstoff versorgt“, erklärt Prof. Rolf Hinz, Kieferorthopäde an der UW/H, die Erkrankung.

"Für diese Patienten steigt die Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarktes um etwa das Dreifache", ergänzt Dr. Georg Nilius, Chefarzt der Lungenheilkunde an der Klinik Hagen-Ambrock.

Schnarchen wegen schlapper Zungenmuskeln

Die Ursache für das Schnarchen und die fehlende Sauerstoffversorgung liegt bei vielen Patienten in der schwächer werdenden Muskulatur von Zunge und Gaumen. Doch auch 16 bis 18 Prozent der Kinder schnarchen: "Gerade den Kindern kann der Kieferorthopäde meist gut helfen“, weiß Hinz aus praktischer und wissenschaftlicher Erfahrung: Wenn der Kiefer zu schmal ist oder der Unterkiefer zu weit zurück liegt, hat die Zunge keinen ausreichenden Platz und engt den oberen Atemweg ein.

"Die schlafbezogenen Atmungsstörungen sind erst seit etwa 30 Jahren von der Medizin mehr beachtet worden. Das scheint lang, ist aber kurz, wenn man bedenkt, wie lange es gebraucht hat, bis Rauchen oder Blutdruck in der ärztlichen Praxis angekommen sind“, sagt Nilius.

Bluthochdruck, Herzinfarkte und Schlaganfälle

"Als Folge einer unbehandelten Schlafapnoe treten meistens weitere chronische Gesundheitsstörungen auf, und zwar Herz-Kreislauferkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinfarkte sowie Schlaganfälle", berichtet er. "Ein plötzlicher Herztod kann mit erhöhter Wahrscheinlichkeit auftreten. Beschrieben sind auch Depressionen und das gehäufte Auftreten von Stress-Erkrankungen wie Magengeschwür, Tinnitus und Hörsturz.“ 

Die Universität Witten/Herdecke bietet - neben der Uni Greifswald als erste in Deutschland - ab dem kommenden Semester dazu Vorlesungen an. "Uns geht es darum, dass die Studierenden schon im Studium von diesen Dingen gehört haben. Denn nur so können sie später in Kliniken und Praxis ein Gespür für diese Erkrankungen entwickeln, denn sie haben mit allen Disziplinen der Medizin Berührungspunkte“ begründet Hinz die Entscheidung.



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