mg/dpa
23.07.14 / 11:48
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Zu dick in der Schwangerschaft

Jede zweite Schwangere in Deutschland hat Übergewicht, viele leiden unter Depressionen. Leipziger Ärzte wollen helfen - mit einem Online-Programm und 10.000 Schritten pro Tag.



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Schwangeren mit schwerem Übergewicht und Depressionen soll künftig in Leipzig geholfen werden. Ärzte und Psychotherapeuten haben dafür ein Online-Programm entwickelt. "Für diese Frauen gibt es bisher keine geeigneten Therapien", sagte die Leiterin der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Anette Kersting.

Etwa die Hälfte der Schwangeren in Deutschland habe Übergewicht. Insgesamt 10 bis 20 Prozent seien depressiv. Beide Krankheiten zugleich seien eine schwere Belastung nicht nur für die Schwangere, sondern auch für ihr ungeborenes Kind.

Psychotherapie und Anleitung zur Bewegung

Betroffene Frauen neigten zu Fehlgeburten, Frühgeburten, Diabetes oder Bluthochdruck. Ihre Babys würden oft übergewichtig geboren, kämen mit Herzfehlern zur Welt und hätten ein erhöhtes Risiko, später selbst schwer übergewichtig zu werden. Auch bei Depressionen der Mutter sei das Kind in seiner Entwicklung beeinträchtigt. "Das ist wirklich ein großes Problem in unserer Gesellschaft", sagte Kersting.

Das Online-Projekt, dessen Wirksamkeit in einer Studie erforscht wird, trägt den Titel "Der Schwangerschaftsdepression davon spazieren". Binnen acht Wochen bekommen die Teilnehmerinnen in der 18. bis 22. Schwangerschaftswoche via Internet ein zweigeteiltes Programm aus Psychotherapie und Bewegung.

Ziel sind 10.000 Schritte am Tag

Ziel sei, die Schwangeren zu motivieren, 10.000 Schritte am Tag zu gehen. "Die Frauen bekommen einen Schrittzähler. Die Aktivitäten sollen in 500er-Schritten gesteigert werden", erläuterte Kersting, die vor kurzem eine Studie zur Internet-Betreuung für Menschen mit Essanfällen abgeschlossen hat.

Das aktuelle Projekt soll den Betroffenen helfen, sich eine Tagesstruktur aufzubauen und Bewegung in den Tagesablauf zu integrieren, um zu starker Gewichtszunahme vorzubeugen. Die Psychotherapie soll dabei unterstützen, positiver zu denken und mehr Freude in den Alltag zu bringen. Das Projekt läuft voraussichtlich bis Mai 2015.


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