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20.12.13 / 14:44
Politik

50 Jahre nach dem Auschwitz-Prozess

Heute vor 50 Jahren begann für 22 SS‐Angehörige aus dem Konzentrationslager Auschwitz der Prozess "Strafsache gegen Mulka und andere, 4 Ks 2/63" im Frankfurter Rathaus. Unter den Angeklagten befanden sich auch Ärzte und Apotheker.



Die Auschwitzprozesse: Hier thematisiert in einer Ausstellung im Münchner Justizpalast 2007. picture_alliance / Sueddeutsche Zeitung Photo

Die Staatsanwaltschaft warf ihnen Mord und Beihilfe zum Mord vor. Wie die Ärzte Zeitung berichtet, saßen neben Angehörigen der Lager-Gestapo und des KZ-Wachdienstes auch die SS-Zahnärzte Dr. Willy Frank und Dr. Willi Schatz. Außerdem ein Apotheker, vier Sanitätsdienstgrade und ein Funktionshäftling auf der Anklagebank. Der Gynäkologe Dr. Franz Lucas, Lagerarzt in Auschwitz, hatte sich am Eröffnungstag krank gemeldet.

Namensgeber des Verfahrens ist der Hamburger Exportkaufmann Robert Mulka. Mulka war in Auschwitz Adjutant des Lagerkommandanten Rudolf Höß und somit der ranghöchste Angeklagte im Prozess.

Das System Auschwitz sichtbar machen

Der Initiator des Verfahrens saß an diesem Freitag jedoch gar nicht im Saal. Fritz Bauer, hessischer Generalstaatsanwalt und selbst Opfer des Naziregimes, hatte 1959 mit einer Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofs durchgesetzt, dass die Anklagen gegen einzelne KZ-Schergen gebündelt werden, um das System Auschwitz sichtbar werden zu lassen.

Erschießungslisten von Auschwitz, die ein ehemaliger Häftling aus dem brennenden Breslauer Bezirksgericht gerettet hat, dienten ihm als Grundlage, berichtet die Zeitung. Mithilfe des Internationalen Auschwitzkomitees wurden damals weitere Angeklagte identifiziert und Hunderte Zeugen ausfindig gemacht. Die Anklageschrift umfasste 700 Seiten.

Alle Angeklagten halten sich für unschuldig

Trotz der erdrückenden Indizien erklärten sich alle 22 Angeklagten für nicht schuldig, heißt es in dem Bericht. Von den Gräueln im Lager wollten die meisten nichts mitbekommen haben. Andere beriefen sich demnach auf den Befehlsnotstand und beteuerten, das Leid der Häftlinge, wo immer es ging, gelindert zu haben.

Frank etwa nannte das Geschehen in Auschwitz ein "Unrecht", ja ein "Verbrechen". Woher das Gold stammte, das in der Kommandantur-Zahnstation eingeschmolzen wurde, habe er aber nicht gewusst. Schatz wird mit den Worten zitiert, der Dienst auf der Rampe sei "Missbrauch" gewesen, selektiert habe er selbst aber nicht.


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