pr
31.05.13 / 14:35
Politik

Eßer: "Dialogbereit für den Berufsstand"

Die wirtschaftliche Situation der Zahnärzte 2013 skizzierte Dr. Wolfgang Eßer, stellvertretender Vorsitzender der KZBV, in einem Referat auf dem Berliner Zahnärztetag am 24. Mai. Wir fragten nach.



zm

zm: Wie stellt sich die wirtschaftliche Situation der Zahnärzte dar?

Dr. Wolfgang Eßer: Sie ist eindeutig geprägt von gesetzgeberischen Steuerungswirkungen. Dabei leisten zahnärztliche Praxen einen wichtigen Beitrag zum Jobmotor Mundgesundheitswirtschaft. In den Zahnarztpraxen arbeiten rund 300.000 Beschäftigte, hinzu kommen weitere 100.000 Mitarbeiter in Dentallaboren, Dentalhandel und Dentalindustrie. Wir erwirtschafteten in den Praxen beispielsweise im Jahr 2011 ein Umsatzvolumen von über 22 Milliarden Euro.

Zieht man einen Vergleich der Honorarumsätze der Praxen von 1992 bis 2011, so ist erkennbar, dass es den Zahnärzten zwar heute ganz gut geht, dass aber die Eingriffe des Gesetzgebers schon deutlich werden. Während der GOZ-Punktwert in diesem Zeitraum unverändert geblieben ist, ist der Punktwert der GKV zwar gestiegen, aber schwächer als die Grundlohnsumme und die allgemeine Preisentwicklung. Und schaut man auf einen Vergleich mit anderen Freien Berufen, stellt man fest, dass bei den Zahnärzten die Einkünfte in 2007 gegenüber 2004 sogar gesunken sind.

Inwieweit hat der Gesetzgeber auf die wirtschaftliche Situation der Zahnärzte eingewirkt?

Seit 1992 hat es allein neun gesetzgeberische Maßnahmen gegeben, die auf das Gesundheitswesen eingewirkt haben. Das heißt, es gab permanente Eingriffe auf unser berufliches Umfeld und unsere betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen - mit negativen Konsequenzen für die Planungssicherheit und die Honorarentwicklung. Stichworte hier: Kostendämpfungspolitik, Budgetierung und Regulierung.

Welche Rolle spielt dabei die zahnärztliche Berufspolitik?

Es zeigt sich, dass ab der Einführung der Festzuschüsse 2005 die Kurve der Honorarumsätze ganz allmählich nach oben steigt. Mit der Veränderung der Rahmenbedingungen im Vertragsarztrechtsänderungsgesetz  2007, das die Rahmenbedingungen der Berufsausübung gelockert hat, gab es weiteren Auftrieb.

Mit dem GKV-Finanzierungsgesetz 2011 erfolgte der Honorarangleich Ost-West. Als Folge der neuen GOZ 2012 ist ein weiterer Einkommensschub zu erwarten. Und mit der Abschaffung der strikten Budgetierung 2013 und der Entkopplung von der Grundlohnsumme im Versorgungsstrukturgesetz ist zu hoffen, dass die Vergütung der Zahnärzte bald wieder ein angemessenes Niveau erreichen wird.

Die neunziger Jahre waren geprägt von verhärteten Fronten zwischen Zahnärzteschaft und Politik beziehungsweise Krankenkassen sowie einer fehlenden Dialogbereitschaft mit politischen Entscheidungsträgern.

Seit 2002 hingegen ist die zahnärztliche Berufspolitik geprägt durch eine konstruktive Mitgestaltung bei politischen Prozessen, durch Einbringung von Reformvorschlägen  und eine fachlich-kooperative Begleitung der Gesetzgebungsverfahren. Das wirkt sich auch positiv auf die Praxen aus. Dahinter steckt das klare Bekenntnis zur GKV und der sozialen Verantwortung des Berufsstandes.

Welche Risiken sehen Sie für die Zukunft des Berufsstandes aus vertragszahnärztlicher Sicht?

Zu warnen ist vor den möglichen Konsequenzen durch eine Bürgerversicherung mit einheitlichem Leistungskatalog und einer einheitlichen Gebührenordnung - mit den entsprechenden Konsequenzen für die Praxen. Auch das Festzuschusssystem ist immer wieder unter Beschuss, etwa von Seiten der Patientenvertreter.

Für uns Standespolitiker gilt es, dialogbereit zu sein, konkrete Vorschläge in das Berufsfeld und die Gesellschaft einzubringen und so die Situation der Kollegenschaft zu verbessern. Wichtig ist es auch, die Herausforderungen im Gesundheitswesen im Blick zu behalten. Dazu gehört, die Versorgungslandschaft an die veränderten Bedürfnisse einer älter werdenden Gesellschaft anzupassen und demografiefest zu machen. Stichworte hier: Die Versorgung Pflegebedürftiger, von Menschen mit Behinderungen und von Risikogruppen. 


Mehr zum Thema


Werblicher Inhalt