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27.03.13 / 12:07
Politik

Genetischer Zwilling gesucht

Warum sind ausgerechnet Zahnärzte prädestiniert, um über Blutkrebs zu informieren und potenzielle Knochenmarkspender zu werben? Dr. Peter Engel und DKMS-Chefin Dr. Elke Neujahr haben es zm-online erklärt.




zm-online: Herr Dr. Engel, weshalb beteiligen sich gerade die Zahnärzte bei dieser Aktion?

Dr. Peter Engel: Überlegt man sich, dass etwa 90 Prozent ihrem Zahnarzt treu bleiben, ergibt sich daraus ganz zwangsläufig, dass Zahnärzte prädestiniert dazu sind, Patienten frühzeitig und direkt anzusprechen, sowie bei Bedarf über das Thema zu informieren. Gerade durch das vertrauensvolle Arzt-Patienten-Verhältnis sind wir in der Lage, dabei mitzuhelfen, den Spender-Pool für die DKMS zu erweitern. Für den Interessenten ist die Verfahrensweise dann ganz einfach: Die Einfachheit, mit der zu Hause ein Wangenabstrich erfolgen kann, ist frappierend.

Die Zahnärzteschaft zeigt in vielfältiger Weise ein gesellschaftliches Engagement. Warum ist dies notwendig?

Genauso wie die Zahnärzte für Karies zuständig sind, haben sie sich über ihr Berufsethos auch dem Gemeinwohl verpflichtet. Das soziale Engagement der gesamten Zahnärzteschaft findet sowohl regional und vor Ort als auch überregional und weltweit statt. Ein Beispiel hierfür ist etwa das Hilfswerk der Deutschen Zahnmediziner, mit dem überall auf der Welt existenzielle Not gelindert wird. Ein anderes Beispiel ist die neue Zusammenarbeit mit der DKMS.

Wie sieht denn die Unterstützung konkret aus?

Im Wartezimmer vieler Zahnarztpraxen wird ab sofort Informationsmaterial ausliegen. Der Patient, der mehr über das Thema Knochenmarkspende wissen möchte, kann die Praxismitarbeiter oder seinen Zahnarzt zu Hintergründen befragen. In Aktion treten muss er dann aber schon selbst, indem er sich direkt an die DKMS wendet. Zahnärzte informieren zwar, nehmen aber keinen Wangenabstrich vor; das bleibt dem Patienten überlassen.

Frau Neujahr, wie beurteilen Sie als Geschäftsführerin der DKMS die Kooperation?

Dr. Elke  Neujahr: Wir sind der Bundeszahnärztekammer äußerst dankbar über die angebotene Zusammenarbeit. Das gibt uns die Chance, unseren Spender-Pool zu vergrößern. Derzeit haben wir etwa 3,4 Millionen Menschen als Spender registriert. Wir wissen aber auch, dass wir mittel- bis langfristig mindestens 400.000 Spender pro Jahr benötigen, die uns unterstützen.

Wie sehen Ihre Erfahrungen aus?

Wir stellen fest, dass junge Menschen, die zwar von der Krankheit etwas weiter weg sind als andere, aber technikfreundlich eingestellt sind, sich vielfach bei uns online registrieren lassen. In ländlichen Gebieten hingegen, in denen die Anonymität nicht so groß ist wie in Städten, und die Solidarität untereinander bisweilen noch etwas größer ist, treffen wir eher auf die, die auch bereit sind, in gemeinsamen Aktionen sich für die Spenderdatei anzumelden. Insgesamt brauchen wir noch mehr die Bereitschaft in den großen Städten, sich als Spender registrieren zu lassen.

Was genau passiert bei der Registrierung und was passiert bei Ihrer Arbeit?

Im Grunde ist es so: Wir suchen den genetischen Zwilling eines an Blutkrebs erkrankten Menschen. Dies kann man anhand eines sogenannten Wangenabstriches herausfinden. Das Verfahren ist ganz einfach: Man lässt sich ein Registrierungsset schicken, macht selbst einen Abstrich und schickt das Ganze an uns zurück. Wir geben die Probe an ein Labor, das binnen drei Monaten ermitteln kann, ob es zur eingeschickten Probe einen Zwilling dazu gibt.

Kostenloses Infomaterial (Flyer, Dispenser und Plakat) für die Praxen gibt es unter www.dkms.de/bzaek.


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