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02.07.13 / 15:06
Politik

IGeL auf dem Prüfstand

Wie ändert sich das Arzt-Patienten-Verhältnis durch IGeL? Wie muss sich der Arzt positionieren, wie informiert sich der Patient? Politiker, Forscher und Ärzte beleuchteten das Thema auf einer Podiumsdiskussion in Berlin.



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Die Angebote zu IGeL sind oftmals mangelhaft, vor allem die Angebote in Arztpraxen. Dies ergab eine vom Bundesverbraucherministerium veröffentlichte Untersuchung. Grund für das Ministerium, am 25. Juni in Berlin zu einem IGeL-Kongress mit einer Diskussionsrunde einzuladen.

Es menschelt

Prof. Dr. Michael Ewers von der Charité verwies auf das Informationsgefälle zwischen Arzt und Patient. "Es menschelt“, sagte er. "Diesen Faktor müssen wir ernst nehmen.“ Im Arzt-Patienten-Verhältnis komme es auf die Interaktionsqualität an. Der Patient benötige Hilfe bei der Orientierungssuche. "Wir müssen besser vorbereitet sein, um auf den Patienten einzugehen und nicht in die Gefahr kommen, zu Krämern zu werden.“

Mehr als der ältere Herr

"Der Arzt kann nicht nur Altruist sein, er muss auch eine Praxis führen,“ sagte Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer. Der Arzt sei nicht mehr nur der verlässliche ältere Herr, der seinem Patienten die Hand auflege. Ärzte müssten heute mit den Folgen leben, die die Einführung des Wettbewerbs im Gesundheitswesen mit sich bringen. Was die IGeL-Angebote angehe, habe die Ärzteschaft Regeln für den Umgang damit beschlossen und die von BÄK und KBV entwickelte Broschüre "Selbst zahlen“ für Patienten und eine Checkliste für Ärzte eine große Hilfestellung bewiesen.

Unter Druck gesetzt

Dr. Peter Pick, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS), bedauerte den Wandel, der inzwischen durch die Einführung von IGeL erkennbar sei. Manche Patienten fühlten sich in den Praxen unter Druck gesetzt, ein Teil der Ärzte gehe mit IGeL nicht so seriös um. Pick verwies auf den vom MDS entwickelten IGeL-Monitor, der dem Versicherten helfen soll, eine gut informierte Entscheidung zu treffen, ob dieser ein Angebot annehmen solle oder nicht.

Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller, verwies auf die Unabhängige Patientenberatung Deutschlands (UPD). Hier finde der Versicherte seriöse Informationen und Ansprechpartner sowie Lösungswege bei potentiellen Beschwerden. Er unterstrich besonders die Rolle des aufklärenden Gesprächs im Patienten-Arzt-Verhältnis. Dies betonte auch Wolfgang Schuldzinski von der Verbraucherzentrale NRW. "Wir müssen schauen, ob hier genug getan wird“, sagte er.
 


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