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22.06.13 / 13:56
Politik

Jetzt wird Klartext geredet

Heute ist die Vertreterversammlung der KZBV in Erfurt. Wir haben den Vorstand gefragt, welche Themen ihm inhaltlich besonders am Herzen liegen und was auf der berufspolitischen Agenda steht.



Guter Dinge: Dr. Günther E. Buchholz, Dr. Jürgen Fedderwitz und Dr. Wolfgang Eßer in Erfurt. KZBV/Darchinger

Der Erhalt des dualen Gesundheitssystems, eine weiterhin gute und enge Partnerschaft mit den Zahntechnikern als Basis einer bestmöglichen Patientenversorgung und endlich ein Präventionsmanagement für Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderungen - das ist KZBV-Chef Dr. Jürgen Fedderwitz und seinen Vizes Dr. Wolfgang Eßer und Dr. Günther E. Buchholz wichtig. 
Hier reden sie Klartext:

Dr. Jürgen Fedderwitz: Unsere obersten versorgungspolitisches Ziele sind die Verbesserung der Mundgesundheit und die Sicherstellung einer flächendeckenden, wohnortnahen und qualitativ hochwertigen Versorgung. Eine Einheitskasse wie die Bürgerversicherung kann das nicht leisten. Im Gegenteil: Sie tötet jeglichen Wettbewerb, insbesondere auf Kassenseite, und führt auf geradem Weg in eine Zwei-Klassen-Medizin, wie wir sie in nationalen Einheitssystemen, wie zum Beispiel dem englischen NHS, mit all den bekannten negativen Erscheinungen kennen.

Die KZBV lehnt deshalb die Konvergenz der Systeme ab und bekennt sich zu einem reformierten dualen Gesundheitssystem aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Klar ist: Auch diese zweite Säule PKV muss sich reformieren, will sie überlebensfähig bleiben und weiterhin einen stabilisierenden Part in unserem Gesundheitssystem spielen. Für uns in der Zahnmedizin ist wichtig: Allen Patienten, auch den gesetzlich Versicherten, muss die Teilhabe am medizinischen Fortschritt gesichert sein.

Dr. Wolfgang Eßer: Zahnärzte und Zahntechniker sind ein starkes und gut funktionierendes Team. Diese über Jahre gewachsene und auf gegenseitigem Vertrauen basierende Partnerschaft gilt es zu pflegen und dauerhaft zu erhalten. Umso mehr sind wir entsetzt über die pauschalen Vorwürfe der Zahntechniker-Innungen (VDZI), die den gesamten Berufsstand des korruptiven Verhaltens beschuldigen.

Ich erwarte, dass - insofern überhaupt Fälle von Korruption bestehen - die Zahntechniker-Innungen Ross und Reiter nennen. Wir dulden keinerlei Form von korruptivem Verhalten in unserem Berufsstand und haben auch in der Vergangenheit - siehe Globudent-Skandal - nachhaltig bewiesen, dass wir solches Verhalten in Kooperation mit den Staatsanwaltschaften hart sanktionieren.

Ein Klima des Misstrauens in Form eines Generalvorwurfs schaffen zu wollen, ist ein politisch völlig falscher Ansatz und gefährdet mutwillig und ohne nachvollziehbaren Grund eine gute Partnerschaft, die die wesentliche Grundlage für eine qualitativ hochwertige, wohnortnahe und flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Zahnersatz ist.

Insofern appelliere ich eindringlich an den VDZI, diese unselige Kampagne sofort einzustellen und zur Sacharbeit zurückzukehren. Ich bin davon überzeugt, dass die Mehrheit der Zahntechniker in Deutschland diesen Appell unterstützt.

Dr. Günther E. Buchholz: Mit unserem Konzept für Pflegebedürftige und behinderte Menschen haben wir in der Politik eine Tür aufgestoßen. Mittlerweile haben wir für die aufsuchende Betreuung dieser Patienten eine Leistungsposition in der GKV schaffen können. Doch das kann natürlich nur der erste Schritt sein: Wir brauchen eine Präventionsstrategie, die neben einem strukturierten Präventionsmanagement für Gehandicapte auch Früherkennungsuntersuchungen für kleine Kinder einschließt. "Prävention ein Leben lang“ - das ist unser Ziel. 

Was mir persönlich sehr am Herzen liegt, ist der barrierefreie Zugang zu den Praxen für Menschen mit Behinderungen. Ich begleite meine Tochter gerade, unsere Praxis dementsprechend umzurüsten und sehe, was für ein Aufwand damit verbunden ist - arbeitsmäßig und finanziell.

Um den Kollegen bei diesem aufwändigen Vorhaben zu helfen und damit den betroffenen Patienten die Möglichkeit zu schaffen, ihren Zahnarzt aufzusuchen, setzen wir uns für ein entsprechendes KfW-Programm der Regierung und damit für eine finanzielle Unterstützung ein. Denn diese gesellschaftliche Aufgabe kann nicht nur von den Zahnärzten geschultert werden. Die heutigen Honorare bilden eine solche Belastung neben den unterhaltenden Maßnahmen nicht ab.


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