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12.10.16 / 10:08
Politik

Minister unterstützt Hetzportal gegen Zahnärzte

Wegen Stimmungsmache auf einer Internetseite gegen Zahnärzte hat sich die KZBV in einem offenen Brief an den Justizminister gewandt. Sie fragt ihn, weshalb er die Seite finanziell unterstützt.



Heiko Mass, Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz, unterstützt das Beschwerdeportal www.kostenfalle-zahn.de. BMJV/Habig

Vor einigen Wochen hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen das Informations- und Beschwerdeportal www.kostenfalle-zahn.de gestartet - mit dem Ziel: "Missstände aufzudecken und öffentlich zu machen." (zum Hintergrund siehe zm-online: "Beschweren Sie sich hier - Geht's noch?" ).

Gefördert wird das sogenannte "Beschwerdeportal" vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) bewertet das Portal kritisch.

Zahnarzt-Patienten-Beziehung diskreditiert

In ihrem Schreiben an Justizminister Heiko Maas weist die KZBV daraufhin, dass bereits der Name der Website „kostenfalle-zahn.de“ den Eindruck erwecke, dass die Inanspruchnahme zahnärztlicher Leistungen für den Patienten problembehaftet und ohne Expertenwissen nicht möglich sei.

Mit der Bezeichnung werde intendiert, „dass Zahnärzte ihre Patienten nicht nach bestem Wissen beraten und über die entstehenden Kosten je nach Therapiealternative aufklären". Damit werde das vertrauensvolle Zahnarzt-Patienten-Verhältnis infrage gestellt. „Patienten werden regelrecht animiert, sich zu beschweren“, so der Wortlaut des Schreibens.

Die Verbraucherzentrale sei offenbar der Ansicht, nur mit vielen Beschwerden maximalen Druck auf Politik und Zahnärzteschaft ausüben zu können - unabhängig davon, ob die Beschwerden in jedem Einzelfall tatsächlich angemessen und berechtigt seien.

Umfangreiche Informationen durch Zahnärzte

Die KZBV befürworte einen transparenten Umgang mit den Kosten für zahnärztliche Behandlungen. Aus diesem Grund habe man das eigene Informationsangebot für Patienten umfassend erweitert und auch immer wieder auch auf die Angebote der zahnärztlichen Patientenberatung in den Bundesländern aufmerksam gemacht (www.patientenberatung-der-zahnaerzte.de und www.informationen-zum-zahnersatz.de).

So könnten Patienten in den zahnärztlichen Beratungsstellen unter anderem ihren Heil- und Kostenplan neutral, fachlich fundiert und völlig kostenlos prüfen lassen. Zudem bestehe bei Unstimmigkeiten im Rahmen einer vertragszahnärztlichen Behandlung die Möglichkeit, die Schlichtungsstellen der regional zuständigen Zahnärztekammern anzurufen.

Wer überprüft die Angaben auf der Internetseite?

„Mit diesem Verfahren werden in der Regel Ergebnisse erzielt, die alle Beteiligten zufrieden stellen“, heißt es im Brief. Angesichts dieser bestehenden Angebote sei man „sehr verwundert“, dass das Ministerium nun eine Plattform unterstützt, auf der aufgrund der Anonymisierung keinerlei Möglichkeit zu einer sachgerechten Überprüfbarkeit der eingereichten Beschwerden gegeben sei. Auch wird den betroffenen Zahnärzten nicht die Möglichkeit zur Gegenrede gegeben.

Patientenbeschwerden und Anonymität seien zwar grundsätzlich legitim, die fehlende Überprüfung durch einen ausgewiesenen Experten sowie die fehlende Stellungnahmemöglichkeit des Behandlers seien allerdings gravierende Mängel. „Aus unserer Sicht befördert das Portal auf diese Weise eine gezielte und durch nichts gerechtfertigte Stimmungsmache gegen den gesamten zahnärztlichen Berufsstand“, bilanziert die KZBV: „Wir möchten Sie vor diesem Hintergrund um eine Stellungnahme bitten, warum und mit welcher Intention Ihr Ministerium das Portal unterstützt.“


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