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30.11.12 / 13:44
Politik

QS braucht Paradigmenwechsel

Für ein Umdenken in der Qualitätssicherung machte sich eine Expertenrunde auf dem Nationalen Qualitätskongress in Berlin stark. Ihre Forderung: Mehr Transparenz und ein sektorenübergreifendes Handeln.




Nicht die Quantität, sondern die Qualität müsse sich wieder lohnen, erklärte Kongresspräsident Ulf Fink (Foto: l.) zur Eröffnung. Qualität spiele bisher immer noch eine untergeordnete Rolle, wenn es um wirtschaftliche Erfolge gehe, sagte er mit Blick auf den Krankenhaussektor. Gute Qualität manifestiere sich nicht durch gestiegene Fallzahlen, es gelte, ökonomische Fehlanreize anbauen. Fink: "Qualität muss das wichtigste Ziel im Gesundheitswesen sein.“

Mehr aus Sicht der Patienten

"Wir brauchen einen Kulturwandel“, forderte Prof. Dr. Joachim Szecsenyi, Direktor des AQUA-Instituts in Göttingen (Foto: r.) Er verwies auf den Entwicklungsprozess der Qualitätssicherung im Gesundheitswesen der letzte zehn Jahre. Die Einführung von Qualitätszirkeln habe sich bewährt, ebenso wie die Etablierung von Qualitätsmanagement in Krankenhäusern und Arztpraxen. Dies habe zu mehr Zufriedenheit bei den Patienten, aber auch zu mehr Arbeitszufriedenheit bei den Ärzten geführt. Jetzt gehe es darum, sektorenübergreifende Verfahren weiterzuentwickeln und die Patientenperspektive mehr einzubinden.

Neue gesetzliche Normen sind überflüssig

Für Dr. Regina Klakow-Frank (Foto: 2.v.l.), Unparteiisches Mitglied im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), ist es wichtig, die Lücken in der Qualitätssicherungskette zu schließen. "Wir brauchen keine neuen gesetzlichen Normen“, sagte sie. Stattdessen solle man sich mehr für die Qualitätsförderung einsetzen.

Behandlungsabläufe in den Mittelpunkt stellen

"Messen wir auch das Richtige?“ fragte Dr. Doris Pfeiffer (Foto: 3.v.r.), Chefin des GKV-Spitzenverbands. Benchmarking habe zwar zu Verbesserungen geführt. Ihrer Auffassung nach sollte aber die Transparenz die zentrale Maßgabe sein,um sektorenübergreifend zu handeln und Behandlungsabläufe zu betrachten.

Ambulante Instrumente in den stationären Bereich übertragen

Mahnende Worte aus Sicht der Ärzteschaft kamen vom Vorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Andreas Köhler (Foto: 3.v.l.). Der Berufsstand bekomme Regeln übergestülpt, die eigentlich für den stationären Bereich vorgesehen seien. Für die Praxen bedeute das einen erhöhten Aufwand und mehr Bürokratie. Köhler schlug vor, auch den umgekehrten Weg zu gehen und bewährte QS-Instrumente aus dem ambulanten in den stationären Bereich zu übertragen.

Versorgungsketten betrachten

Aus Sicht von Prof. Dr. h.c. Herbert Rebscher (Foto: 2.v.r.) ist es sinnvoll, Qualitätssicherungsmaßnahmen nicht isoliert zu betrachten, sondern Versorgungsketten im Blick zu behalten. Der chronisch kranke und multimorbide Patient stelle das Gesundheitssystem vor besondere Herausforderungen. Deshalb sprach er sich für die Evaluation von komplexen Zusammenhängen und die populationsbezogene Betrachtung von Versorgungsergebnissen aus.



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