Sascha Kötter
07.08.17 / 15:00
Politik

Wie wird man eigentlich Kammer-Präsident?

"In meinem Fall gab es keine Abkürzungen auf dem Weg in den Vorstand und zum Präsidentenamt." Dr. Michael Frank, niedergelassener Zahnarzt und Oralchirurg in Lampertheim, ist seit 1997 Präsident der Landeszahnärztekammer Hessen. Hier schildert er seinen Weg in die Berufspolitik.




Dr. Frank, was müssen junge Zahnärztinnen und Zahnärzte tun, um zum Präsidenten einer Zahnärztekammer aufzusteigen?

Dr. Michael Frank: Zunächst einmal sollte die eigene Zielsetzung überdacht werden. Man beginnt gemeinhin nicht damit, sich standespolitisch zu engagieren, um auf diese Weise Kammerpräsident zu werden. Das Interesse sollte vielmehr sein, sich aktiv für die Kolleginnen und Kollegen einzusetzen und Einfluss auf die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nehmen zu können, die unsere tagtägliche Berufsausübung beeinflussen.

Zahnärztlich tätig zu sein ist heutzutage nicht mehr ganz so einfach, wie es zum Beispiel zu meinen Zeiten als Berufsanfänger der Fall war. Wir leben in einer Zeit, in der eine allmählich überbordende Bürokratie einen Großteil der Arbeitszeit ausfüllt und immer weniger Platz für die eigentliche Aufgabe des Mediziners bleibt, nämlich Patienten zu behandeln und Krankheiten zu heilen.

"Man kann alle diese Entwicklungen einfach hinnehmen oder sich einbringen!"

Gesetzliche Auflagen bestimmen die Praxisführung bis ins kleinste Detail und auch die Erwartungen der nachfolgenden Generationen an das Berufs- und Privatleben verändern sich mit dem Wandel der Gesellschaft. Dies sind nur einige Beispiele für die Bedingungen, unter denen Zahnärzte heute tätig sind.

Man kann alle diese Entwicklungen einfach hinnehmen oder sich einbringen, um sie im Rahmen der Möglichkeiten, die wir Zahnärzte als Ausübende eines freien Berufs haben, zu verändern. Wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ändern lassen, dann ist es möglich, die Formen der Berufsausübung an diese Bedingungen anzupassen und auf diese Weise das Beste daraus zu machen. Wir dürfen nie vergessen, dass es ein hohes Privileg ist, wenn der Staat seine Aufgaben in die Hände der beruflichen Selbstverwaltung legt. Damit diese Selbstverwaltungsorgane der Zahnärzte und anderer freier Berufe auch künftig fortbestehen, braucht es junge Kolleginnen und Kollegen, die sich engagieren und einbringen.

"Ich bin den Weg der Ochsentour gegangen!"

Wie sah Ihr persönlicher Werdegang in der Standespolitik aus?

In meinem Fall gab es keine Abkürzungen auf dem Weg in den Vorstand und zum Präsidentenamt. Ohne dass dies negativ klingen soll, bin ich den Weg der Ochsentour gegangen. Bereits kurz nach dem Examen bin ich in den Freien Verband Deutscher Zahnärzte (FVDZ) eingetreten und habe parallel meine ersten Kreisstellenversammlungen der Kammer besucht. Diese Doppelung ist wichtig, denn im Verband setzt man sich ausschließlich für die Bedürfnisse der Zahnärzteschaft ein, während man in der Kammer lernt, im Spannungsverhältnis zwischen der Vertretung eigener Interessen und der Verpflichtung für das Gemeinwohl über politische Lösungen zu diskutieren und sich zu positionieren.

Wenn man auf der Ebene der Kreisstelle nicht nur Präsenz zeigt, sondern sich auch zu Wort meldet und die eigene Sichtweise mit guten Argumenten auch gegen Widerstände zu verteidigen vermag, dauert es meist nicht lange, bis einem erste Ämter angetragen werden. Wer sich dann bewährt, wird über kurz oder lang auf eine Vorschlagsliste für die Gremien der Selbstverwaltung gelangen.

"Voraussetzung ist natürlich auch, dass man die menschliche Seite nicht außen vor lässt"

Voraussetzung ist natürlich auch, dass man die menschliche Seite nicht außen vor lässt, mit den Kolleginnen und Kollegen gut zurechtkommt und nach dem Ende der Sitzung noch auf einen Schoppen, wie es in Hessen heißt, zusammen bleibt. Neudeutsch würde man sagen, man muss sich auch auf das Netzwerken verstehen.

Mein standespolitischer Weg in der LZKH begann zunächst auf Ebene der Bezirksgruppe Darmstadt des Freien Verbandes und führte über die Liste des FVDZ in die Delegiertenversammlung, das 48-köpfige höchste Gremium der Kammer. Aus ihren Reihen wählen die Delegierten dieses Zahnärzteparlaments den Vorstand und das Präsidium.

1992 wurde ich in den Vorstand gewählt und übernahm das Amt des Vizepräsidenten. Eine Legislaturperiode später wurde ich dann zum Präsidenten der Landeszahnärztekammer gewählt. Mit der Präsidentschaft auf Landesebene übernimmt man auch politische Verantwortung im Bundesvorstand der BZÄK und – wenn man es möchte – auch in der internationalen Standespolitik.

"Es geht um nicht weniger als um die eigene Zukunft!"

Was geben Sie jungen Zahnärztinnen und Zahnärzten mit auf den Weg?

Dass sie sich mit ihren Interessen, Vorstellungen und Bedürfnissen einbringen und ihrer Stimme Gehör verschaffen. Der Ort dafür sind die Gremien der Standesvertretungen und auch die Verbände. Jedes wahlberechtigte Mitglied einer Kammerorganisation hat die Möglichkeit, mit Gleichgesinnten eine eigene Liste zu gründen und sich mit seinen Anliegen zur Wahl zu stellen. Es geht im Fall der jungen Zahnärztinnen und Zahnärzte um nicht weniger als um die eigene Zukunft.

Sie wissen, wie sie gerne in Zukunft arbeiten wollen, durch welche Praxisformen sich diese Vorstellungen am ehesten realisieren lassen und was ihnen an den bestehenden Strukturen missfällt. Sie sollten das Privileg der Selbstverwaltung nutzen und die Zukunft aktiv mitgestalten, in ihrem eigenen Interesse wie auch in dem künftiger Generationen.

Denn wenn die Selbstverwaltung wegen des Mangels an engagierten Kolleginnen und Kollegen nicht mehr gestellt werden kann, werden Dritte die Aufgabe übernehmen, die Geschicke der Zahnärzteschaft zu lenken. Ob dies zum Besten des Berufsstandes ist, darf zu Recht in Zweifel gezogen werden.


Mehr zum Thema


Kommentare

Leserkommentare (0)

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können
Werblicher Inhalt