Annette Schnitker
03.11.15 / 10:41
Praxis

Das Kleinkind in der Praxis

Kinder auf dem Zahnarztstuhl - nicht immer ist die Behandlung von Erfolg gekrönt. Stattdessen gut zuredende Eltern, ängstliche Kids und ein gestresstes Team. Dabei geht es auch anders.



"Mund auf" - wenn das immer so einfach wäre. Was tut man, wenn Kinder dieser Aufforderung nicht nachkommen wollen? ThodorisTibilis-Fotolia

Aus der Bindungstheorie ist bekannt, dass Kleinkinder für ihre Entwicklung mindestens eine Bezugsperson brauchen. Diese muss räumlich und von ihrer Aufmerksamkeit her für das Kind verfügbar sein, seine Signale wahrnehmen, sie richtig deuten und altersangemessen beantworten können. Aus dieser Sicherheit heraus erobert sich das Kind im Zuge seiner Entwicklung immer neue Erlebniswelten. Je sicherer das Kind sein kann, dass die Bezugsperson es bei Überforderung oder Angst tröstet, desto mutiger kann es neue Herausforderungen suchen.

Verzichten Sie auf: "Das tut überhaupt nicht weh!"

Steht nun ein Zahnarztbesuch an, sollte das Kind ausgeruht in die Zahnarztpraxis kommen. Vermeintlich beruhigende Worte wie "Das tut überhaupt nicht weh", sollten Eltern besser unterlassen, denn das Kind wird sonst vermuten, dass es doch wehtun könnte. Die Bezugspersonen sollten dem Kind auch keine Belohnung versprechen. Warum? Auch diese Aussicht wird es nur in Alarmbereitschaft versetzen, dass ihm wohl möglich etwas Schlimmes droht.

Das Kind sollte möglichst allein auf dem Untersuchungsstuhl sitzen. Wenn die Bezugspersonen es dorthin gesetzt haben (Anmerkung der Redaktion: Oder das Kind allein auf den Stuhl geklettert ist), sollten sie sich am besten in den Hintergrund zurückziehen. Es ist wichtig, dass das Team - ohne Vermittlung - mit dem Kind in einen vertrauensvollen Kontakt kommt.

Gehen Sie auf Augenhöhe

Die Begrüßung eines Kindes sollte niemals von oben herab oder quer durch den Raum erfolgen. Vielmehr sollte die Zahnmedizinische Fachangestellte zu dem Kind hingehen, sich auf Augenhöhe begeben und sich dem Kind vorstellen. Wichtig ist, keine Fragen zu stellen, die ausschließlich „Ja-“ oder „Nein- Antworten“ zulassen. Wenn das Kind „Nein“ sagt, kann man die Behandlung vergessen oder aber sie erzwingen - und damit möglicherweise das Vertrauen des Kindes verlieren.

Weil sich die Bezugsperson nun im Hintergrund aufhält, sollte die Helferin stattdessen stets an der Seite des Kindes bleiben. Das Thema Zähne sollte mit entsprechendem Spielmaterial veranschaulicht werden. Die Helferin sollte alle Untersuchungsgegenstände und Abläufe erklären. Schließlich integriert sie auch den Zahnarztes in die Situation.

Loben Sie das Kind

Fragen zum Untersuchungsbefund beantworten die Praxismitarbeiter auch gern nach der Behandlung. Nach der Behandlung sollten Eltern ihr Kind für alles loben, bei dem es gut mitgemacht hat, und das möglichst genau benennen. Aspekte, die nicht so gut waren, bleiben unkommentiert.

Dr. med. Annette Schnitker
Ärztin für Kinderheilkunde und Ärztin für Kinder- u. Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
33397 Rietberg



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