sf/pm
06.12.13 / 10:10
Praxis

Die rollenden Diabetesberater

Unter den türkischstämmigen Deutschen gibt es prozentual fast doppelt so viele Diabetiker wie in der deutschen Bevölkerung. Um zu intervenieren geht jetzt eine mobile Diabetes-Früherkennung für Migranten auf Tour.



Eine türkischstämmige Deutsche erhält eine niederschwellige Diabetesberatung auf einem Wochenmarkt in Moers. iabetesDE

Türkischstämmige Frauen und Männer stellen mit rund 40 Prozent den größten Anteil der Deutschen mit Migrationshintergrund. Von den knapp zwei Millionen Bürgern mit türkischem Migrationshintergrund, die in Deutschland leben, sind fast 300.000 an Diabetes erkrankt, berichtet die Deutsche Diabetes-Hilfe in einer Mitteilung an die Presse.

Das seien prozentual fast doppelt so viele wie in der deutschen Bevölkerung. Doch die Versorgung dieser Bevölkerungsgruppe sei schlechter als in der Gesamtbevölkerung, was zum einen durch Sprachbarrieren, zum anderen durch kulturelle Besonderheiten wie Ernährungsgewohnheiten sowie Geschlechterrollen und Familienstrukturen bedingt ist.  Um Migranten besser in das Gesundheitssystem zu integrieren, hat diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe deshalb zusammen mit ihrem Landesverband das Spendenprojekt „Diabetesberatung auf Rädern“ aufgesetzt.

Im Info-Mobil durch die BRD

Das Projekt, das unter Mitwirkung des Verbands der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe (VDBD) durchgeführt wird, setzt ein Diabetes-Info-Mobil ein, um vor Ort gemeinsam mit einer türkischsprechenden Diabetesberaterin an insgesamt 25 Einsatztagen die Zielgruppe bundesweit über die Volkskrankheit Diabetes aufzuklären.

Weitere 25 Einsätze sind geplant in ländlichen Regionen, wo die Versorgung der Diabetiker ebenfalls oft schlechter als in größeren Städten sei. Hier fehle der Facharzt vor Ort, was gerade ältere Menschen, die wenig mobil sind, vor Probleme stellt. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet und ausgewertet, um mehr Wissen über Diabetes bei Menschen mit Migrationshintergrund zu gewinnen.

Eine kultursensible Beratung

„Ziel des Projektes ist, die Betroffenen und Risikogruppen über Diabetes aufzuklären und über Gesundheitsmöglichkeiten vor Ort zu informieren“, erklärt Nicole Mattig-Fabian, Geschäftsführerin von diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe das Engagement der Organisation und ergänzt: „Für die Gruppe der Migranten ist hier eine mehrsprachige und kultursensible Beratung wichtig. Durch die gezielte Vermittlung von Gesundheitskenntnissen sollen Erkrankungsrisiken gesenkt und die Eigenverantwortung der Betroffenen gestärkt werden.“

„Durch Früherkennung von an Diabetes erkrankten beziehungsweise gefährdeten Personen sollen Prävention und Gesundheitsförderung gestärkt werden“, erläutert Martin Hadder, Landesvorsitzender der DDH-M NRW und verantwortlicher Projektleiter, die Idee. Daher hat der Landesverband bereits seit 2003 ein Diabetes-Info-Mobil im Einsatz. Das Diabetes-Info-Mobil ist eine mobile Diabetesberatungsstelle mit Sofort-Diagnostik.

Die Auswahl der Standorte und Bereitstellung von türkischsprachigem Infomaterial soll dazu beitragen, besonders die Bevölkerungsgruppen der Migranten und der ländlichen Bevölkerung in strukturschwachen Regionen anzusprechen. Dabei sollen örtliche Gesundheitsämter und Diabetes-Schwerpunkt-Praxen eingebunden werden.
 Das Projekt wird unter anderem finanziert aus Spenden der Charity-Gala 2013, durch eine Großspende der Firma Novo Nordisk wird ein neues Info-Mobil finanziert. Um einen weiteren Ausbau des Projekts zu ermöglichen, sind weitere Spenden willkommen.

Diabetesberatung auf Rädern
Spendenkonto 60 60
Bank für Sozialwirtschaft
BLZ 100 20 500
IBAN: DE59 1002 0500 0001 1888 00
BIC: BFSWDE33BER

 


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