sg
14.10.16 / 14:00
Praxis

Diese ZFA ist seit 60 Jahren ihrer Praxis treu

Am 1. Oktober 1956 trat die damals 13-jährige Johanna Kastner ihre Lehrstelle an. 60 Jahre später arbeitet sie immer noch in derselben Praxis im oberpfälzischen Schwandorf. Wie sich ihr Berufsalltag und auch die Patienten in sechs Jahrzehnten verändert haben, verrät die ZFA im Interview.




Frau Kastner,  wie hat sich der Berufsalltag verändert über die Jahre?

Johanna Kastner: Eigentlich ist gar nichts mehr so wie vor 60 Jahren. Polyäther anstelle von Gipsabdrücken, keine der Helferinnen wusste was ein Bema ist, EDV war gar nicht vorhanden und wir haben uns früher abendelang händisch mit hunderten von Zetteln am Quartalsende in der Praxis eingefunden. Und statt der heute vorhandenen 15 Kolleginnen und drei Ärzten gab es nur den Herrn Doktor und mich.

Es war ein aufregender Weg, bis unsere Praxissoftware und ich zueinander gefunden haben. Auch war der jeweilige Wechsel der Praxisführung immer mit spannenden Änderungen verbunden.

Kofferdam, Bleaching und PZR waren zu Beginn meiner Ausbildung unbekannt, Implantate gab es noch nicht - und all das ist nun fester Bestandteil unserer täglichen Arbeit. IPs haben in den 90ern Einzug gehalten.

Was hat Sie damals in die zahnärztliche Welt verschlagen? War es schon immer Ihr Berufswunsch?

Nein, es war eher "Buschfunk auf dem Dorf". Es gab in der Praxis eine Stelle zu vergeben, ich habe mich vorgestellt und dann hat der Beruf mir von Beginn an Freude bereitet. Mit zehn oder zwölf Jahren hat man sich damals um seinen Berufswunsch auch noch keine so riesigen Gedanken gemacht. Als ich mit knapp 14 Jahren meine Lehre angefangen habe, war es einfach so - und es hat auch gepasst!

In der Praxis arbeiten mehrere Generationen unter einem Dach - wie funktioniert die Zusammenarbeit im Team?

Es ist in erster Linie ein geselliges Miteinander. Natürlich haben die jüngeren Kolleginnen ihre Eigenheiten - aber die haben die Älteren genauso. Gegenseitige Achtung, Toleranz und vor allem Anpassungsfähigkeit erleichtern den Arbeitsalltag enorm.

Sie haben sicherlich so manchen Patienten von klein aufwachsen sehen, oder?

So manchen? Fast alle! (lacht). Aus jungen Gecken wurden verehrende Mitfünfziger und dann rüstige Senioren. Und nun kommen halt die, die ich als Kinder kannte mit ihren Enkeln zu uns.

Gibt es in den vergangenen sechs Jahrzehnten ein herausragendes Ereignis?

Die beiden Umzüge in die jeweils neuen Räume. Es war immer wie ein kleiner Neubeginn, wenn wir umgezogen sind - dazu kamen die vielen Einweihungen, teils nach den Umzügen, teils nach den Renovierungen. Das alles in der Retrospektive zu betrachten verdeutlicht einem, wie lange man schon im Team ist. 

Wie war der Patient früher, wie ist er heute?

Jetzt hat der Patient vor allem bessere Zähne! Die Pflege ist auch besser geworden, die Patienten sind aufgeklärter. Früher war der Patient im Vergleich zum heutigen allerdings seltener so fordernd, wie man es zunehmend erlebt.


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