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12.05.17 / 14:47
Praxis

"Nein, ich bin nicht die ZFA!"

Abi mit 18, Examen mit 23 Jahren - und ab geht es in die Praxis. Aber wie schaffen junge Zahnärzte diesen Sprung? Wir haben einen Aufruf gestartet und nachgefragt. Ergebnis: Wer selbstbewusst auftritt, kann sich auch behaupten!



"Sind Sie die neue Azubine?" Solche Fragen bekommen junge Zahnärztinnen, die mit 23 Jahren schon die Approbation in der Tasche haben, häufiger von ihren Patienten gestellt. Die Reaktion: Gelassen bleiben! [Mzm-nh]privat, Karin Kaiser/ MHH

"Wir sind ein sehr junges, dynamisches und engagiertes Team. Dementsprechend fällt mir der Umgang mit Mitarbeitern sehr leicht, weil viele in meiner Altersgruppe sind", berichtet Zahnärztin Angelina Ruscheinsky, 24 Jahre, aus Regensburg. "Es ist fast schon ein freundschaftliches Verhalten und es kam noch nie zu einer unangenehmen Situation während einer Behandlung. Ich schätze das Engagement des gesamten Teams sehr, es ist ein sehr gutes 'Miteinander‘."

Angelina Ruscheinsky feierte während des Examens ihren 24. Geburtstag. Ihre Doktorarbeit hat sie bereits beendet und abgegeben und wartet nun noch auf einen Termin für die Verteidigung. privat

Angelina Ruscheinsky arbeitet nun seit fast drei Monaten in einer Praxis in Regensburg. Im Umgang mit Patienten liegt ihrer Meinung nach die größte Herausforderung: "Viele nehmen mein junges Alter sehr positiv auf, andere können es nicht glauben, und einige halten mich für zu jung. Gerade als Frau hat man noch das Problem gern mal mit einer ZFA verwechselt zu werden."

Auch für die Praktikantin oder Auszubildende wurde die junge Zahnärztin schon gehalten. "Man muss persönlich schon ein gewisses Auftreten und ein gesundes Selbstbewusstsein an den Tag legen, um nicht unterschätzt zu werden. Tritt man aber dementsprechend auf, so habe ich bisher nur positive Erfahrungen gemacht", sagt die 24-Jährige.

"Das Zahnmedizinstudium ist kein Spaziergang im Park"

"Allgemein muss ich sagen, dass ich keinen Unterschied darin sehe, ob man Anfang 20 oder Ende 20 ist", sagt Ruscheinsky. "Der Studiengang Zahnmedizin ist kein Spaziergang im Park, man muss Einiges leisten, selbstständig handeln und ist es gewohnt, vor neuen Herausforderungen zu stehen. Dieser Studiengang führt jeden Studenten an seine Grenzen und verlangt einem viel ab. Ich denke jeder Einzelne - egal ob Anfang 30, Mitte 20 oder Anfang 20 - kann stolz darauf sein, was er/sie geleistet hat. Man geht durch viele harte Zeiten, die aber bekanntlich dazu führen, ’stärker’ zu werden. Das kann ich nur bestätigen."

Jeder sei herangewachsen, erwachsen geworden, dabei an seine Grenzen gekommen und gemerkt, dass dies noch lange nicht seine Grenzen waren, erklärt Ruscheinsky. "Genau dieser Prozess verleiht jedem Absolventen ein gesundes Selbstbewusstsein, die Fähigkeit, Ruhe zu bewahren - auch in stressigen Situationen - und einen klaren Gedanken zu fassen bei diagnostischen Fragestellungen. Dieser Prozess, persönliches Engagement und Freude am Beruf führt zu einem tollen Resultat, das meiner Meinung nach nicht vom Alter abhängt!"

Laut Thüringer Allgemeine Zeitung ist Maximilian Gottstein der "jüngste Zahnarzt im Eichsfeld"! Im Juni 2011 hatte er das Abitur in der Tasche, damals war Maximilian Gottstein 18 Jahre alt. Vier Monate später begann er sein Studium. Nach fünf Jahren in Göttingen konnte er das Staatsexamen am 3. November 2016 erfolgreich beenden - mit 23 Jahren.

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"23 Jahre und 92 Tage alt bei Abschluss des Diploms"

Dr. Steffen Schmidt, 52 Jahre: "Mittlerweile bin ich über 52 Jahre, aber als ich damals mein Diplom als Stomatologe erhielt - so wurden wir Zahnärzte im Jahre 1988 nach erfolgreichem Abschluss des Studiums in der DDR betitelt - da war ich gerade 23 Jahre und 92 Tage alt! Die eigene Niederlassung gründete ich dann mit 28 Jahren und 124 Tagen, in der ich heute noch praktiziere."

"Kein Druck bei der Familienplanung"

Maja Farahbod, 25 Jahre: "Ich bin inzwischen 25 Jahre und aus meiner Assistenzzeit raus, tatsächlich war ich aber, als ich im November 2014 das Studium beendet hatte, noch jünger als Maximilian Gottstein. Im Juli 2014 bin ich 23 Jahre alt geworden. Was er berichtet, ist mir auch schon häufiger passiert - viele halten mich auf den ersten Blick für die neue Auszubildende. Trotzdem sehe ich keinen Nachteil, immerhin hat man so mehr Zeit, Einiges auszuprobieren und steht nicht durch eine anstehende Familienplanung unter Druck.

"23 Jahre und 21 Tage alt laut Approbationsurkunde"

Dr. Dietmar Gerth, 68 Jahre: "Ich bin 1949 geboren und studierte Zahnmedizin an der Universität Rostock von 1967 bis 1972. Laut Approbationsurkunde bin ich zum 15.6.1972 als Zahnarzt zugelassen. Ich war also zu diesem Zeitpunkt 23 Jahre und 21 Tage alt. Mir macht der Beruf auch heute noch viel Freude."

"23 Jahre, 10 Monate und 23 Tage bei Abschluss des Staatsexamens"

Dr. H. Müller, 67 Jahre: "Mein Geburtsdatum ist im Dezember 1950. Im Wintersemester 1969 habe ich das Studium der Zahnmedizin in Göttingen begonnen und konnte es am 09.10.1974 mit dem Staatsexamen abschließen, also im Alter von 23 Jahren, 10 Monaten und 23 Tagen. Meine Promotion war dann am 26.11.1974. Da war ich dann doch auch recht früh dran. Lange ist es her, mittlerweile ist das Rentnerdasein angesagt."


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