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24.03.16 / 16:23
Praxis

Personalsuche 3: If you pay peanuts, you get monkeys

Arbeitsklima, Ausstattung und Zukunftsperspektiven - anhand der Kriterien entscheiden Bewerber, ob sie in Ihrer Praxis arbeiten wollen. Trotzdem gilt: "If you pay peanuts, you get monkeys", meint Alexander Bongartz vom Deutschen Zahnarzt Service (DZS).



Im Endeffekt müsse jede Praxis für sich selbst entscheiden, wie viel ihr der neue Kollege wert ist. "Generell glaube ich, dass an dem alten Spruch „If you pay peanuts, you get monkeys“ etwas Wahres dran ist", sagt Alexander Bongartz vom Deutschen Zahnarzt Service (DZS). Colin_Cramm-Fotolia

Wie kann man nun in das Gespräch einsteigen?
 
Alexander Bongartz: Für die Eröffnung des Gesprächs bietet sich ein Rundgang durch die Praxis an. So kann man dem Bewerber schon einmal seinen zukünftigen Arbeitsplatz zeigen und einen ersten Eindruck von der Praxis vermitteln. Außerdem entsteht so direkt ein guter Einstieg ins Gespräch. 

Welche Ansprechhaltung sollte ich einnehmen?

Klar ist: Gute Bewerber haben in der Regel mehrere Optionen, so dass man ihnen auf Augenhöhe begegnen sollte. Ein Gespräch auf Augenhöhe wird mittlerweile insbesondere auch von jüngeren Bewerbern geradezu vorausgesetzt, was früher sicherlich noch etwas anders war.

Wie viel Gehalt sollte man zahlen?

Das hängt von so vielen verschiedenen Faktoren ab, dass es dafür keine feste Regel gibt. Wichtig ist natürlich beispielsweise die finanzielle Situation der Praxis, die zu besetzende Stelle, ihr Zeitumfang. Dann unterscheidet sich dies zum Teil noch von Region zu Region.

Im Endeffekt muss jede Praxis für sich selbst entscheiden, wie viel ihr der neue Kollege wert ist. Sollte es sich um ein Vergütungsmodell mit einem variablen Anteil halten, ist es auf jeden Fall wichtig, im Vorfeld ein realistisches Szenario gemeinsam durchzurechnen. Generell glaube ich, dass an dem alten Spruch „If you pay peanuts, you get monkeys“ etwas Wahres dran ist.

Mal angenommen, die Gehaltsvorstellungen liegen sehr weit auseinander.

Natürlich kann es immer vorkommen, dass beide Parteien unterschiedliche Vorstellungen von der finanziellen Entlohnung haben. Man sollte aber im Gespräch herausarbeiten, ob das Gehalt der entscheidende Faktor ist oder ob die Praxis dem Bewerber weitere nicht-monetäre Anreize bieten kann. Für viele Arbeitnehmer sind die Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten in einer Praxis, flexible Arbeitszeiten oder die Option zur Partnerschaft wichtige Aspekte, die eventuell ein geringeres Gehalt verschmerzen lassen.

Auch hier ist es wichtig, dem Bewerber seine langfristigen Perspektiven aufzuzeigen - eventuell kann ein anfänglicher Gehaltsunterschied später ausgeglichen werden. Es wird aber immer auch Fälle geben, in denen man am Ende nicht zusammenkommt.

Welche Fragen sind tabu und wann darf man das Gespräch frühestens abbrechen?

Man sollte sicher nicht direkt zu intim werden, beispielsweise bezüglich der Familienplanung des Bewerbers.
Häufig bemerken Arbeitgeber recht frühzeitig im Gespräch, dass es nicht passt. Wir empfehlen, das Gespräch dann dennoch vernünftig fortzusetzen, schließlich geht es ja auch um den Ruf der Praxis. Unseres Erachtens ist ein Vorstellungsgespräch in den wenigsten Fällen unter 45 Minuten durchzuführen. 

Welche Vergütungsangebote sind für Zahnärzte beziehungsweise für ZFA denkbar, um gute Bewerber langfristig zu binden?

Bei Zahnärzten bietet sich die Aufteilung in Fixgehalt und einen variablen Anteil an. Für den Einstieg ist ein fixes Gehalt häufig sinnvoll, um Kollegen in der Praxis zu akklimatisieren und ihnen die Möglichkeit zu geben, einen eigenen Patientenstamm aufzubauen. Beispielsweise nach der Probezeit sollte man dies aber, zumindest bei berufserfahrenen Kollegen, die sich für diese Variante interessieren, entsprechend anpassen. Natürlich kann man auch von Anfang an ein Stufenmodell nutzen, um die Perspektiven aufzuzeigen.

Für das Praxisteam abseits der Zahnärzte erscheint es uns ebenfalls sinnvoll, langfristige Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen, beispielsweise durch Weiterbildungsmöglichkeiten. Neben dem Fixgehalt können zudem zusätzliche Leistungen, wie beispielsweise eine Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr, als Leistungen des Arbeitgebers angeboten werden. Hier lohnt sich die Rücksprache mit dem Steuerberater.

Für beide Berufsgruppen gilt aber: Das Vergütungsmodell ist nicht alles, auch die Praxisorganisation, eine moderne Ausstattung und insbesondere das Arbeitsklima haben großen Einfluss auf die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Insbesondere bei jüngeren Bewerbern werden diese Faktoren immer wichtiger.  

Alexander Bongartz ist Geschäftsführer vom Deutschen Zahnarzt Service. Der Personaldienstleister vermittelt deutschlandweit Zahnärzte und Praxispersonal. DZS

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