Birgit Dohlus
25.11.14 / 13:15
Praxis

Praxisübergabe: Bitte nicht herumeiern!

Ob man will oder nicht: Neben den harten Fakten spielen bei der Praxisübergabe immer auch die Emotionen eine Rolle. Wie man Herr der Lage wird, darum ging es auf dem zweiten Thementag "Praxisübergabe" des Berufsverbands der deutschen Kieferorthopäden (BDK).




Was ist eine Praxis überhaupt wert - und sagen Zahlen tatsächlich alles? Mit welchen "Wechselgefühlen“ muss man rechnen - beim Abgeber und bei sich selbst als Übernehmer? Kann man auch einen Teil einer Praxis ver-/kaufen oder muss es gleich das ganze Paket sein? Und übernimmt man am besten das Team, das aktuell zur Praxis gehört? Diese und andere Fragen sollte der zweite Thementag "Praxisübergabe" der Veranstaltungsreihe "Young Orthodontists" des Berufsverbands der deutschen Kieferorthopäden (BDK) beantworten. 

"Komplett überrollt"

Aus seiner Startphase in eigener Niederlassung berichtete Moderator und Einstiegsreferent Dr. Stefan Schmidt, Fachzahnarzt in Kassel. Er sei damals von dem Angebot, eine Praxis komplett zu übernehmen, in die er eigentlich nur einsteigen wollte, komplett überrollt worden, berichtete er. Zu dem Zeitpunkt habe er nicht nur von BWA & Co keine Ahnung gehabt, sondern bis dahin auch über keinerlei unternehmerische Erfahrungen verfügt.

"Das größte Risiko für eine Gründung ist der Unternehmer selbst"

Nach kurzen Schilderungen aus dem eigenen Lernprozess, nicht zuletzt zu motivierenden Aspekten pro Niederlassung statt Anstellung, gab er allen Teilnehmern einen wichtigen Merksatz mit auf den Weg: "Das größte Risiko für eine Unternehmensgründung ist der Unternehmer selbst.“ Und eine dringende Empfehlung: "Lieber eine Stunde über Geld nachdenken als für Geld arbeiten - das Nachdenken zahlt sich erheblich länger aus.“

Bei der Praxisübernahme gebe es "Partner mit und ohne Wahl“. Zu den "Partnern ohne Wahl“ gehörten die zuständige Kammer und KZV - und letztlich auch "der Patient“ und seine Krankenkasse. Zu den vielen "mit Wahl“ gehörten potenzielle Praxispartner. Man könne wählen, ob man einen Partner will oder zwei oder lieber keinen.

"Wer sagt denn, dass man mit 65 aufhören muss?"

"Wer eher kauzig ist, für den ist eine Einzelpraxis sicher der bessere Schritt. Andererseits kann man sich in einer Praxis zusammen mit Kollegen besser vertreten.“ Denkbar sei auch, noch eine Weile mit dem Praxisabgeber zusammenzuarbeiten: "Wer sagt denn, dass man mit 65 aufhören muss, wenn es doch Spaß macht, man auf dem Laufenden ist und wertvoll für die jungen Kollegen?“

Ohnehin spiele der Aspekt "Wert“ bei den ausführlichen Fachvorträgen eine deutliche Rolle: "Wer verkaufen will, fragt sich: Welchen Wert hat meine Praxis? Und wer kaufen will: Was ist mir diese Praxis wert?“ Beide Zahlen, erläuterte Steuerberater Chris Kramer, Oldenburg, führten selten zu überlappenden Ergebnissen.


Mehr zum Thema


Werblicher Inhalt