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24.03.16 / 10:34
Praxis

"Teleskopprothesen kannte ich vorher nicht!"

Maher Yusuf hat seine Praxis in Syrien aufgegeben. Vor 16 Monaten kam er als Flüchtling nach Deutschland. Nun macht er in einer Dessauer Praxis ein sechswöchiges Praktikum. Wir haben mit ihm und seinem Mentor gesprochen.



Der syrische Zahnarzt Maher Yusuf (li.) macht ein sechswöchiges Praktikum in der Praxis von Dr. Rainer Westphal (re.) in Dessau-Roßlau. Frühestens ab 2019 kann Yusuf als anerkannter Zahnarzt in Deutschland praktizieren. In seiner Heimatstadt Kamischle arbeitete der 29-Jährige zusammen mit seinem Vater, einem Zahntechniker, in einer Praxis mit zwei Standorten und eigenem Praxislabor. privat

Maher Yusuf, Sie haben als Zahnarzt in Syrien gearbeitet. Was sind die entscheidenden Unterschiede zwischen der zahnärztlichen Tätigkeit dort und in Deutschland? Wo sehen Sie Gemeinsamkeiten?

Maher Yusuf: Die meisten syrischen Patienten sind Privatpatienten, weil es erst seit ungefähr fünf Jahren eine Krankenversicherung gibt. Fachlich unterscheidet sich die zahnärztliche Tätigkeit in Syrien nicht von der in Deutschland. Ausnahmen sind qualifizierte Zahnlabors für Kombi- und Implantatprothetik - sie gibt es dort nicht.

Was waren Ihre fachlichen Schwerpunkte in Syrien?

In Syrien hatte ich als Zahnarzt keine Schwerpunkte. 

In welchen zahnmedizinischen Bereichen sehen Sie Ihre Stärken?

Besonders die Implantologie liegt mir. Aber auch Wurzelkanalbehandlungen gehören zu meinen Stärken. 

Sie haben erzählt, dass Latein eine große Herausforderung für Sie darstellt. Wie kommt das?

Weil wir an der Uni in Syrien in Arabisch studiert haben. 

Welche Behandlungsformen sind neu für Sie? 

Neu für mich ist die Möglichkeit von Kombinationszahnersatz, wie zum Beispiel Teleskopprothesen.
 
Frühestens 2019 sind Sie als Zahnarzt in Deutschland anerkannt. Wie würden Sie dann am liebsten arbeiten: niedergelassen oder als angestellt?

Mein großes Ziel ist, als niedergelassener Zahnarzt in Deutschland arbeiten zu können.

Wie weit sind Sie im Hinblick auf die Gleichwertigkeitsprüfung und die Sprachprüfung?

Nun, ich bereite mich gerade auf die Gleichwertigkeitsprüfung vor und denke, dass ich diese in Kürze machen kann. Die Sprachprüfung habe ich vergangene Woche bestanden. 

Wie geht es nach dem sechswöchigen Praktikum für Sie weiter? Was ist die nächste Herausforderung?

Im Moment läuft es bei mir super. Als nächstes möchte ich eine Halbtagsstelle finden, damit ich mit meiner Berufserlaubnis am Patienten arbeiten kann. Aber bevor das soweit ist, muss ich eben noch die Gleichwertigkeitsprüfung absolvieren.


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