Sonja Schultz
21.04.17 / 10:50
Praxis

Was ist "Grüne Zahnmedizin"?

"Green Dentistry" ist angesagt. Aber was ist das überhaupt? Geht es um Design, Ökobewusstsein oder um Ganzheitlichkeit? Der US-Innenarchitekt James Küster, Spezialist für grünes Design in Zahnarztpraxen, erklärt grüne Zahnmedizin.



Green Dentistry ist in der Zahnmedizin ein Ansatz, um traditionelle Bauweisen und Arbeitsmethoden zu verändern. Romolo_Tavani_Fotolia

zm-online: Sie setzen sich stark für eine grüne Zahnmedizin ein - warum?  

James Küster: Weil ich denke, dass es richtig ist. Bauprojekte tragen wesentlich zu Treibhausgas-Emissionen und zum globalen Energieverbrauch bei. Durch die sorgfältige Auswahl der Materialien, die beim Bau von Zahnarztpraxen verwendet werden, kann die globale Erwärmung reduziert werden. Entscheidend ist dabei, wo immer es geht, recycelte und recyclingfähige Materialien einzusetzen. Auch der Einsatz von LED-Beleuchtung oder sparsame Wasserhähne und Toiletten sind relativ einfache Möglichkeiten, um eine Praxis nachhaltiger zu machen.

Die Idee der grünen Zahnheilkunde kam vor etwa zehn Jahren auf, sie ist also noch relativ jung. Kann man schon von einem Trend sprechen?

Nein. Es gibt zwar einige sehr leidenschaftliche Anhänger des Konzepts der grünen Praxis und der umweltfreundlichen Zahnheilkunde, aber die Trägheit, die überwunden werden muss, um traditionelle Bauweisen und Arbeitsmethoden zu verändern, ist doch enorm. Die meisten Leute denken beim Umbau oder bei der Planung einer neuen Praxis immer noch nicht an grünes Design.

Ich würde aber sagen, jüngere Zahnärzte sind sich dessen mehr bewusst. Als ich im vergangenen Jahr für den FDI World Dental Congress in Polen war, war das Interesse einer kleinen Gruppe an diesem Thema extrem hoch, vor allem unter den Jüngeren. Es ist ein sehr langsam wachsender Trend.

Wird denn die Zukunft der Zahnheilkunde und der zahnärztlichen Praxis grün sein?  

Von einem pragmatischen Standpunkt her würde ich sagen: Sie muss. Immer mehr Hersteller entwerfen ihre Produkte und Materialien so, dass sie weniger Energie verbrauchen und umweltfreundlicher sind, weil das von der Bauindustrie teils inzwischen verlangt wird. Es würde auch helfen, wenn größere Handelsverbände wie die American Dental Association und die World Dental Federation FDI die Hersteller zahnärztlicher Geräte dazu bringen könnten, ihre Produkte nach umweltfreundlichen Kategorien bewerten zu lassen. Dann wäre es für Zahnärzte leichter zu wissen, ob die Ausrüstung, die sie kaufen, Energie- und Wassereffizient ist.

Was wären denn weitere wichtige Schritte für mehr grünes Bewusstsein? 

Wie gesagt: Eine Orientierung der Industrieverbände zu mehr Nachhaltigkeit wäre gut. Sie haben den politischen Einfluss, um die Gerätehersteller mit an Bord zu bringen. Sie könnten auf ihren Veranstaltungen auch mehr umweltbewusste Seminare anbieten und so Zahnärzte auf die vielen Möglichkeiten aufmerksam machen. Die Industrie bewegt sich aber nur langsam.

Im Moment gibt es seitens der Fachverbände noch einen Mangel an Bereitschaft, beim Thema Green Dentistry die Führung zu übernehmen. Auch beim Weltkongress der FDI 2016 wurde Öko-Zahnmedizin zwar zur Sprache gebracht, aber es gibt keinen fortlaufenden Fokus darauf.

Längerfristig wäre es natürlich schön, wenn sich die grüne Zahnheilkunde auch im Curriculum an den Universitäten wiederfinden würde. Denn je mehr praktizierende Zahnärzte schon einmal damit in Berührung gekommen sind, desto wahrscheinlicher werden sie einzelne Punkte für ihre Arbeit und Praxis übernehmen.

James Küster ist Innenarchitekt aus Indianapolis (USA) und auf grünes Design und Nachhaltigkeit für Zahnarztpraxen spezialisiert. Er publiziert zum Thema Green Dentistry und ist unter anderem Mitglied der Eco Dentistry Association EDA. 


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