nh
15.03.17 / 14:10
Zahnmedizin

Abutments im Labor und in der Praxis reinigen

Im implantatprothetischen Alltag gilt es als bristantes Thema: denn sowohl industriell als auch im Labor individuell hergestellte Abutments können verunreinigt sein und sich damit negativ auf den Langzeiterfolg von Implantaten auswirken. Die EADT gibt Handlungsempfehlungen für die Nachbearbeitung und Reinigung individueller implantatprothetischer Bauteile.



EADT

Auf Basis der aktuellen Studienlage sowie wissenschaftlicher Untersuchungsergebnisse hat die European Association of Dental Technology (EADT) ein Statement ausgearbeitet, welches die Nachbearbeitung sowie Reinigung individueller implantatprothetischer Bauteile thematisiert. Im Kern geht es dabei um die Frage, welche Aufgaben dabei im Labor erledigt werden müssen und welche Schritte in der Zahnarztpraxis notwendig sind, um adäquat hygienisch aufbereitete Aufbauten für Implantate beim Patienten einsetzen zu können.

Zum Hintergrund: Nachdem in den vergangenen Jahrzehnten für den enossalen Bereich der Implantate klare, auf wissenschaftlichen Forschungen und klinischen Studien basierende Vorgaben aufgestellt worden sind, fehlen derartige validierte Parameter für implantatprothetische Aufbauten. Grundsätzlich empfohlen wird, sich an den entsprechenden Hinweisen und Vorgaben zu orientieren, die der DAHZ-Hygieneleitfaden (10. Ausgabe 2016/09, Seite 47/48) enthält. Dennoch: "Es bedarf klarer Richtlinien für die Fertigung respektive Nachbearbeitung, die im Übrigen auch bei der Verwendung konfektionierter Implantat-Aufbauten angewandt werden sollten", schreibt die EADT in ihrem Statement.

"Während metallische Implantat-Aufbauten rein theoretisch betrachtet im Autoklaven sterilisiert werden könnten, könnte die Sterilisierung von keramischen Abutments bei feuchter Hitze gegebenenfalls deren Kristallgefüge schädigen und somit eventuell zur einer vorzeitigen Fraktur der Restauration führen", erläutert die EADT.

Zusätzlich zur Reinheit sei der Oberflächen-Topografie im submukosalen Bereich des Implantat-Aufbauteils hohe Beachtung zu zollen. "Hierbei sind die Rauigkeit und die Oberflächenspannung maßgeblich. Beide Faktoren sind entscheidend und korrelieren nicht immer miteinander. Es ist davon auszugehen, dass es für die Rauigkeit einen Schwellenwert gibt, bei dem die Bakterien- und Plaqueanlagerung gering ist und zugleich die Anlagerung der Fibroblasten sowie die Adaption der periimplantären Mukosa bestmöglich unterstützt wird. Eine zu raue Oberfläche mit einer hohen Oberflächenspannung kann die Gefahr erhöhter Plaqueanlagerung bergen. Bei einer zu 'glatten' Oberfläche mit einer geringen Rauigkeit und einer niedrigen Oberflächenspannung können die Fibroblasten der periimplantären Mukosa nicht optimal 'anwachsen'. Bei Untersuchungen wurde festgestellt, dass die Oberflächen-Rauigkeiten sowohl bei der industriellen als auch bei der laborseitigen Fertigung stark variieren."


Die Handlungsempfehlungen wurden basierend auf einer Experten-Diskussion im Oktober 2016 in Frankfurt am Main von der EADT zusammengefasst. Die komplette Ausarbeitung finden Sie hier.

Die EADT widmet sich als Fachgesellschaft der Schnittstelle im Bereich Prothetik zwischen Labor, Praxis, Universität, Dentaltechnologen und Industrie. Der Fokus liegt auf der Wissensvermittlung bzw. dem Aufbereiten bestehender Erkenntnisse für Zahntechniker und Zahnärzte.



Kommentare

Leserkommentare (0)

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können