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19.01.16 / 11:53
Zahnmedizin

Anästhesie: Strom statt Spritze

Die Behandlung für Patienten könnte künftig angenehmer werden. Forscher haben eine Methode entwickelt, die Zähne und Zahnfleisch ohne Schmerzen mit Strom betäubt.



Brasilianische Forscher haben herausgefunden, dass Zähne und Zahnfleisch mithilfe von leichtem Strom effektiv betäubt werden können. University of São Paulo

Camila Cubayachi von der Universität Sao Paulo und ihre Kollegen haben eine Methode entwickelt, mit der Zähne und Zahnfleisch ohne Spritze betäubt werden können. Ausgangspunkt ihrer Untersuchung war die örtliche Betäubung, die gegen den Pieks der Spritze auf das Zahnfleisch auftragen wird. Meist ist das ein Gel, das Lokalanästhetika wie Lidocain oder Prilocain enthält.

Iontophorese macht die Membranbarriere durchlässig

Normalerweise wirken Betäubungsgele nur auf der Oberfläche des Zahnfleischs. Die Forscher untersuchten nun an Schweinekiefern, ob eine nicht-invasive Technik das Mittel durch die Membran und in die Schleimhäute bringen kann - und kamen auf Strom. Iontophorese macht die Membranbarriere durchlässig, so dass das Gel tief in das Zahnfleisch eindringen kann.

Das Betäubungsmittel kann genauso effektiv verabreicht werden, wie eine herkömmliche Spritze, bilanzieren die Wissenschaftler. "Die Iontophorese verstärkte das Eindringen einer Mischung von Lidocain Hydrochlorid und Prilocain Hydrochlorid um das Zwölffache", berichten Cubayachi und ihre Kollegen. Das Prilocain reicherte sich sogar mit der 86-fachen Konzentration im Zahnfleisch an.

Spritzenfreie Betäubung senkt das Infektionsrisiko

Diese neue Methode könnte Patienten die Spritze beim Zahnarzt ersparen, meinen die Forscher. Und nicht nur das: "Eine spritzenfreie Betäubung spart Kosten, erleichtert die Anwendung und verbessert die Mitarbeit des Patienten", sagt Renata Lopez von der Universität von Sao Paulo. Zudem senke es das Risiko für Infektionen. Nach weiteren Tests sind auch klinische Studien mit menschlichen Probanden geplant.

Die Studie wurde im Journal Elsevier veröffentlicht.


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