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22.01.16 / 11:49
Zahnmedizin

CMD durch abgenutzte Prothese

Eine 49-jährige Patientin stellte sich mit Schmerzen auf der rechten Gesichtshälfte und Kopfschmerzen in einer Zahnklinik vor. Ein Fallreport aus Indien.



Die Kieferbewegungen wurden mithilfe eines Kiefer-Tracking-Geräts aufgezeichnet und die Muskelaktivität wurde mit einem EMG gemessen. Auch elastomere Bissregistriermaterialien kamen zum Einsatz. JIOH

Abstract

The masticatory system constitutes four closely interrelated components: Teeth, muscles, nerves, and temporomandibular joints (TMJ). The stable and physiologic rest position of the TMJ is based on the muscle guidance (mainly masticatory, and partially facial), neurally determined and controlled occlusion, integrated together with its peripheral proprioceptors and relax mechanism of the central nervous system. Oral rehabilitation procedures should emphasize on a holistic approach to establish a physiologic relationship of the lower jaw to the base of the cranium resulting in a neuromuscular rest position. This position then would support an occlusion for the stability of the TMJ, the masticatory muscles of the orofacial region and the teeth along with their supporting periodontium. Such a holistic approach becomes more important in cases where the patient not only requires oral rehabilitation but also presents with related TMJ problems. This is a case report where an attempt is made to rehabilitate a patient in a neuromuscular rest position by establishing a myocentric relation.

Einleitung

Die Symptome von Myoarthropathien können vielseitig sein. Bei der Behandlung müssen die Okklusion, Kiefergelenke und das dynamische Zusammenspiel der physiologischen Muskelaktivität berücksichtigt werden. Das Kiefergelenk nimmt eine zentrale Position im Körper ein und beeinflusst direkt viele Körperbereiche. Eine Okklusionsstörung durch eine prothetische Versorgung kann die Kaueffizienz beeinträchtigen und/ oder zu Kieferbeschwerden führen. Der folgende Fallbericht zeigt, wie eine CMD neuromuskulär behandelt werden kann.

Der Fallreport

Eine 49-jährige Patientin stellte sich mit  Schmerzen auf der rechten Seite des Gesichts in der Nähe des Ohres, Kopfschmerz im rechten vorderen Bereich und einer abgenutzten herausnehmbaren Teilprothese in der Abteilung für Zahnärztliche Prothetik, MGV Dental College und Krankenhaus vor.

Vor drei Jahren wurden ihre Oberkieferzähne extrahiert und durch eine Teilprothese ersetzt. Die Untersuchung ergab eine Druckempfindlichkeit im rechten Kiefergelenk, eine Abweichung des Unterkiefers auf der linken Seite beim Öffnen und Schließen des Mundes. Auf beiden Seiten knackte das Kiefergelenk. Die Zähne 14, 15, 16, 17, 23, 24, 25, 26, und 27 waren nicht mehr vorhanden. Die Zahnärzte diagnostizierten myofasciale Schmerzen der Kaumuskulatur. Mihilfe eines Orthopantomogramms (OPG) wurde ausgeschlossen, dass impaktierte Weisheitszähne ursächlich für das Beschwerdebild sind.

Therapie  

Die abgenutzte Teilprothese wurde durch Interimsprothese ersetzt, da die Patientin nicht in der Lage war, die Kosten zu tragen.

Behandlungsablauf  

Es wurden Abdrücke mit einer Schnell-Abformmasse gemacht. Diese wurden auf einem Whipmix Artikulator montiert, um den weiteren Behandlungsablauf zu bestimmen.

1. Aufzeichnung der Kieferbewegungen 

Die Kieferbewegungen wurden mithilfe eines Kiefer-Tracking-Geräts aufgezeichnet und die Muskelaktivität wurde mit einem EMG gemessen.

2. Entspannung der Kiefermuskulatur durch die Anwendung von TENS

Mithilfe der Transkutanen elektrischen Nervenstimulation (TENS), einer elektromedizinischen Reizstromtherapie, wurde eine vollständige Entspannung der Kiefergelenkmuskulatur erreicht, was den Unterkiefer in eine physiologische Position brachte. Drei Elektroden wurden verwendet - positiv, negativ und eine Masse-Elektrode. Die positiven und negativen Elektroden wurden in der Kiefergelenkszone vor dem Ohr angelegt, die Erdungselektrode wurde mittig am Hals angebracht. Die Stärke des TENS wurde allmählich erhöht, um Muskelkontraktionen zu erzielen. Der klinische Schwellwert für den Patientin lag bei 5 mV. An dieser klinischen Schwelle wurde eine  die 45 minütige Muskelrelaxation durchgeführt. 

3. Korrektur der Unterkieferstellung

Nach der vollständigen Muskelentspannung wurde das Ausmaß der TENS bis zu 1,5-fachen klinischen Schwellwert 7,5 mV erhöht.

Verlauf

Die Patientin stellte sich nach 24 Stunden, einer Woche, vier Wochen, sechs Wochen und nach einem Jahr vor. Sie berichtete, dass sie nun besser kauen könne und schmerzfrei sei.

Diskussion

Änderungen der Bisslage werden mithilfe eines Gesichtsbogens und eines Artikulators bestimmt. Mit herkömmlichen manuellen Techniken zur Bestimmung der Zentrik lassen sich jedoch keine Aussagen zur Muskelphysiologie der orofazialen Region machen. Anatomische und strukturelle Ungleichgewichte spielen eine wichtige Rolle bei Unterkieferstellung und der okklusalen Stabilität. Sie wirken sich auf die Zahngesundheit des Patienten und das allgemeine Wohlbefinden aus.

Mit dem Einsatz von computergestützter Technik bei der Diagnose und Behandlung kann der Zahnarzt die Muskelphysiologie und -aktivität visualisieren. Die Myozentrik mit TENS kann chronisch verspannte Muskulatur lockern. Die Herstellung der normalen Kieferfunktion, die Schmerzlinderung, ein ausgeglichenes Zusammenspiel des Bewegungsapparats, Ästhetik sowie eine okklusale Stabilität sind wichtige Ziele bei der Therapie einer CMD.

Besonders in der Diagnosephase ist der Einsatz von computergestützter Technik - wie zum Beispiel das EMG - zur Messung der Aktivität der orofazialen Muskeln von Bedeutung. EMGs können in jeder Stufe der klinischen Behandlung durchgeführt werden, insbesondere während der Endphase, um überprüfen zu können, ob die Behandlung erfolgreich war. Die Wiederherstellung eines harmonischen Zusammenspiels zwischen Kiefergelenk und Kaumuskulatur spielt eine wesentliche Rolle bei der CMD-Therapie.


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