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05.04.17 / 11:18
Zahnmedizin

Dentalkaries bei Geschwistern

Ergebnisse dieser umfangreichen norwegischen Studie zeigen deutlich, dass der familiäre Hintergrund Auswirkungen auf das Auftreten von Dentalkaries hat. Eine Verbesserung der Mundgesundheit bei einem Kind wirkt sich auf die der Geschwister ebenfalls positiv aus.



Ob ein Kind Dentalkaries bekommt, hängt maßgeblich vom familiären Hintergrund ab: In einer zugewandten Atmosphäre werden günstige Verhaltensweisen eher weitergegeben, und alle Geschwister profitieren gleichermaßen, wohingegen Kinder ohne elterliche Unterstützung eher unter einer schlechten Mundgesundheit leiden. zm-sf

Was Zwillingsstudien aussagen können

Bereits seit knapp 100 Jahren gibt es Untersuchungen, die Assoziationen der Kariesprävalenz bei Zwillingspaaren und Geschwistern beschreiben. Ein wichtiger Mechanismus, der das familiäre Auftreten von Karies bestimmt, sind Verhaltensweisen der Eltern, die an die Kinder weitergegeben werden.

Zwillingsstudien bestätigen zudem, dass sich auch die genetischen Voraussetzungen auf die Entstehung von Karies auswirken. Der familiäre Einfluss wurde in dieser Studie daraufhin untersucht, ob Korrelationen von Karies bei Geschwistern mit der Anzahl der Kinder, dem Bildungsgrad der Mutter, dem Familienstand oder dem Herkunftsland bestehen. 

Die zahnmedizinische Versorgung für Kinder in Norwegen

In Norwegen ist die zahnmedizinische Versorgung für alle Kinder bis 18 Jahren kostenlos und wird von 19 Verwaltungsbezirken organisiert. Jedes Kind zwischen sechs und 18 Jahren wird regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen eingeladen, wobei die Frequenz vom individuellen Kariesrisiko abhängig ist. Kinder mit einem hohen Kariesrisiko werden mindestens einmal jährlich eingeladen, während bei einem geringen Risiko nur alle ein bis zwei Jahre oder seltener eine Untersuchung durchgeführt wird.

Die Studie

Die in dieser Studie analysierten Daten basieren auf elektronischen zahnmedizinischen und statistischen Einträgen. Daraus wurden drei Untergruppen gebildet:

  1. Gruppe 1 umfasste alle Kinder, die 2011 zahnmedizinisch untersucht wurden, insgesamt 492.859 Probanden,
  2. Gruppe 2 umfasste Kinder mit einem geringen Kariesrisiko, die 2010 vorstellig waren, aber nicht 2011 (Untersuchungsintervall > 1 bis 2 Jahre), insgesamt 196.748 Probanden,
  3. Gruppe 3 umfasste Kinder mit einem sehr geringen Kariesrisiko, die 2009, aber nicht 2010 und 2011 zur Kontrolluntersuchung eingeladen worden waren (Untersuchungsintervall > 2 Jahre), 28.439 Kinder.

Insgesamt wurden Daten von 810.792 Kindern berücksichtigt, was einem Stichprobenumfang von 87,5 % der Zielgruppe in der Gesamtbevölkerung entsprach.

In einem zweiten Schritt wurden Analysen der Daten von 409.766 Kindern im Alter zwischen sechs und 18 Jahren und ihren Geschwistern (ab sechs Jahren) vorgenommen. Karies der bleibenden Zähne wurde nach standardisierten Kriterien durch visuell/taktile Untersuchung oder durch Röntgen diagnostiziert, wobei der Schweregrad (Lokalisation im Schmelz/Dentin) und der Kariesindex (DMFS) bestimmt wurden.

Drei Modelle wurden analysiert: ohne Berücksichtigung von Kovariablen, mit dem Alter als Kovariable, und in das dritte Modell wurden zusätzlich Familiencharakteristika (Geschwisterzahl sowie Bildungsgrad, Ehestand und Herkunftsland der Mutter) einbezogen.

Mit Hilfe der Berechnung von Intraklassen-Koeffizienten wurde die Varianz zwischen den Familien zu der gesamten Varianz in Beziehung gesetzt. Werte > 0 zeigen an, dass Geschwisterkinder vom Durchschnitt der Stichprobe in dieselbe Richtung abweichen.

Ergebnisse

Die untersuchten Kinder waren durchschnittlich 12,3 Jahre alt. Zwischen dem Alter und dem Auftreten von Karies bestand eine nicht-lineare Beziehung, die bei älteren Kindern einen stärkeren Zuwachs an Erkrankungen zeigte als bei jüngeren. Unter diesem Aspekt war die Einbeziehung des Alters in die Analyse in Modell 2 und 3 gerechtfertigt. Von den untersuchten Geschwisterpaaren hatten 68,5 % ein Geschwister und 31,5 % zwei oder mehr. Der mittlere Kariesindex DMFS betrug 2,16 (SD 4,29).

Zwischen dem DMFS und dem Bildungsgrad der Mutter bestand ein Zusammenhang: Bei Kindern, deren Mütter eine Hochschule oder Universität besucht hatten betrug er durchschnittlich 1,52, während er bei Kindern, deren Mütter nur die gesetzlich vorgeschriebene Mindestschulbildung besaßen, bei durchschnittlich 3,41 lag.

Auch bei alleinerziehenden Müttern war die Kariesprävalenz der Kinder höher als bei Müttern, die verheiratet waren oder in einer festen Beziehung lebten (DMFS 2,68 versus 2,05), ebenso bei Kindern von Müttern aus nicht-westlichen Herkunftsländern (DMFS 2,71 versus 2,11). Der familiäre Anteil der Varianz lag bei ca. 13 bis 29 % und deutet auf einen starken Familieneffekt hin.  

Die Gründe der beobachteten familiären Effekte auf die Entstehung von Karies konnten nicht identifiziert werden, da es sich um eine Querschnittsuntersuchung handelt. Denkbare Mechanismen sind Kommunikation, Organisation, Engagement, Kontrolle und Konfliktmanagement innerhalb der Familien. In einer zugewandten Atmosphäre werden günstige Verhaltensweisen eher weitergegeben, und alle Geschwister profitieren gleichermaßen, wohingegen Kinder ohne elterliche Unterstützung eher unter einer schlechten Mundgesundheit leiden.

Dobloug A1, Grytten J1, Correlation between siblings in caries in Norway. A quantitative study, in: Community Dent Oral Epidemiol. 2016 Oct;44(5):416-25. doi: 10.1111/cdoe.12227. Epub 2016 Mar 14.


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