Michael Dau, Boris Mark Niederquell, Peer Wolfgang Kämmerer
03.11.15 / 14:09
Zahnmedizin

Der Fall: Eine Batterie im Mund

Ein kleines Mädchen hat Batterieteile im Mund, Stücke davon kleben am Gaumen. Liegt eine Vergiftung oder Verätzung vor? Die Zahnärzte im Notdienst müssen schnell handeln.




Ein neunjähriges Mädchen wurde in der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Universitätsmedizin Rostock im Rahmen des Notdienstes zusammen mit den Eltern vorstellig. Nach Angaben des Vaters hatte die junge Patientin beim Spielen mit einer AA-Batterie diese auseinander gebaut und dann Batterieteile in den Mund genommen.

Ein Teil der Batterie befand sich nun fest im Munde der Patientin. Sie und die Eltern hatten zwar probiert, das Stück zu entfernen, der Versuch war aber aufgrund der Schmerzhaftigkeit und der mangelnden Compliance abgebrochen worden.

Diagnose

Die klinische Untersuchung zeigte, dass der Boden der Batterie fest mit der Schleimhaut des Gaumens (Abbildung 1) verbunden war. Es erfolgte das vorsichtige Ablösen des Batteriebodens mit einer feinen chirurgischen Pinzette. Die anschließende Kontrolle - entfernter Batterieboden und restliche Bestandteile (vom Vater mitgebracht) - zeigte, dass die Batterie vollständig war, so dass sich kein Anhalt auf eine akzidentelle Aspiration von Batteriebestandteilen ergab.

Im Bereich der oralen Schleimhaut war lediglich eine lokale, sich auf die direkte Kontaktfläche der Batterie beschränkte Schleimhautreizung mit Rötung bei intakter Schleimhautoberfläche erkennbar.

Es erfolgte die telefonische Rücksprache mit der Giftnotrufzentrale in Berlin (siehe Liste der Kontaktadressen der Giftnotrufzentralen in Deutschland) bezüglich möglicher toxischer Bestandteile der Batterie, wobei Entwarnung gegeben werden konnte. Daraufhin wurde die Schleimhaut mit isotonischer Kochsalzlösung gründlich abgespült und es erfolgte die Besprechung des weiteren Verhaltens: Beobachtung der Schleimhaut durch die Eltern sowie Kontrollen auf mögliche Schleimhautnekrosen im Verlauf in der MKG-Sprechstunde.

Diskussion

Die hier geschilderte Situation stellt sicherlich einen seltenen und vergleichsweise simplen Fall dar, zeigt jedoch einige Fallstricke, die es zu bedenken gilt.

Jedes Jahr verunfallen in Deutschland 1,67 Millionen Kinder (Abbildung 3). Ein Drittel dieser Unfälle treten im Heim- und Freizeitbereich auf. Insgesamt gehören Unfälle zu den höchsten Gesundheitsrisiken für Kinder (Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder e.V.“ Bonn).

Einen Unfallschwerpunkt stellen Intoxikationen dar [Infobroschüre „Risiko Vergiftungsunfälle bei Kindern“, Bundesinstitut für Risikobewertung, 2009]. Hauptsächlich sind Kinder im Alter von sieben Monaten bis zu etwa vier Jahren vom Verschlucken diverser Gegenstände/Vergiftungen/Verätzungen (Reinigungsmittel, ätherische und Lampenöle, Medikamente und Giftpflanzen) betroffen. Bei älteren Kindern stehen Sport-, Freizeit- und Verkehrsunfälle im Vordergrund.


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Kommentare

Leserkommentare (2)

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Zahnärztliche Mitteilungen Redaktion
10.11.15 / 15:06
Vielen Dank für Ihren Hinweis!

Den Fehler haben wir inzwischen korrigiert. Sie finden die Liste der Giftinformationszentrale beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ( Startseite --> Lebensmittel --> Für Verbraucher --> Lebensmittelbedingte Infektionen und Intoxikationen).

Hier im Text als Link hinterlegt beim Wort "Giftinformationszentrale" ... und über das Lob haben wir uns gefreut.


Elmar Georg Petz
08.11.15 / 17:36
Eine Batterie im Mund - Fazit

Kurz - prägnant - nachvollziehbar und im Prinzip von jedem zahnärztlichen Behandler umsetzbar. Die Informationen sind, in minimal vereinfachter Form, meines Erachtens sogar auch zur Aufklärung der verantwortlichen Erzieherinnen im Rahmen der Kindergarten-Betreuung geeignet.
Schade nur, dass zu der Anweisung im letzten Satz " Anruf der Giftinformationszentrale (siehe Liste unten)...." tatsächlich keine Liste zu finden ist. Wäre schön, wenn es eine Möglichkeit zur Nachbesserung gäbe - Danke im Voraus.

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