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21.01.16 / 16:02
Zahnmedizin

Der perforierte Gaumen

Eine 60-jährige Patientin stellte sich in der Praxis erstmalig zur Behandlung vor. Ihr Problem: Beim Trinken kam Wasser aus der Nase. Der HNO-Arzt konnte trotz Sondierung nichts feststellen.




Die Patientin war multimorbide und deshalb zuvor mehrere Wochen stationär behandelt worden. Sie war in einem sehr schlechten Allgemeinzustand, immobil und wurde im Rollstuhl gebracht. Eine Röntgenuntersuchung zeigte keinen Befund, außer einer Überportion Haftcreme unter der Oberkieferprothese. Die Patientin wurde angehalten, diesen Überschuss daheim zu entfernen. Bei ihrem zweiten Besuch kam sie ohne Prothese und die Zahnärztin konnte den Gaumen genauer inspizieren.

Verdacht auf eine Wegner`sche Granulomatose

Der Gaumen war perforiert, was den anfänglichen Verdacht einer Mund-Antrum-Verbindung (MAV) bestätigte. Mit dem Verdacht auf eine Wegner`sche Granulomatose überwies die Zahnärztin die Patientin zum  Internisten, der in der Blutuntersuchung jedoch nur leicht erhöhte ANA- und ANCA-Werte feststellen konnte, die den Verdacht auf eine Autoimmunerkrankung nicht bestätigten.

Die Patientin wurde dann über acht Wochen mit Clindamycin behandelt. Eine in der Zahnarztpraxis erfolgte plastische Deckung der MAV platzte nach zwei Tagen post operationem  wieder auf. Ihr Allgemeinzustand verbesserte sich trotzdem erheblich. Im Unterschied zu vorher konnte sie den Weg vom Wartezimmer in den Behandlungsstuhl selbstständig gehen.

Inzwischen wird die 60-jährige in einer MKG-Praxis erneut chirurgisch versorgt. Sollte eine erneute Operation  nicht gelingen, wird eine Epithese angepasst, um die MAV zu schließen. Ziel ist, dass die Patientin wieder komplikationslos trinken kann.

Dieser Fall zeigt deutlich, wie wichtig es ist, dass das Klinik- und Pflegepersonal umfassend geschult ist, wie eine Prothese richtig und vor allem regelmäßig zu reinigen und zu kontrollieren ist. Hier hatte der nicht mehr passende Zahnersatz zu massiven Druckstellen geführt, was sich schließlich in einer deutlichen Gewebedestruktion zeigte.

Dieser Fall wurde eingereicht von ZÄ Britta Schmitz, Tiergartenstr. 18, 47533 Kleve


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